Fototagebuch



Warten auf den Sommer
- Gedanken übers irische Nass -





Es gibt diesen Regen in Irland, wer aber hinradelt
und trotzdem mal Sonnenschein vorfindet, hat keine Ersatzansprüche
an den Verfasser der folgenden Ausführungen.

Die englischsprachige Bezeichnung für ein sehr häufiges irisches Wetterphänomen namens Regen ist: Irish Mist - na, das sagt doch eigentlich schon alles... Oder? Klar, irgendwas Nasses liegt in Irland fast immer in der Luft, außer wenn es richtig regnet - aber dann regnet es eben und da weiß man was man hat. Wenn jedoch der Küstenwind die Hänge hinaufpustet, wird die Schwerkraft vom Himmel fallender Wassertröpfchen teilweise aufgehoben und selbige halten sich dann so in der Schwebe, dass ich es mit einer wilkürlichen Ansammlung von Regentropfen auf Augenhöhe zu tun bekomme. Dann starre ich in diese vor mir herumwuselnden Regentropfen - als Nicht-Ire bin ich dann doch etwas verwirrt von diesen regenhaften Eigentümlichkeiten.


Im auffrischenden kühlen Wind befindet sich Regen.*



Was das wichigste Thema einer jeden Irland-Reise betrifft - den Mist mit dem Regen, so neigt man als Irophilist im Allgemeinen und als Irland-Fan* im Besonderen zu verharmlosenden bis beschönigenden, immer aber poetisierenden, also absurden, reaitätsfernen, widersprüchlichen und geradezu den Kopf auf den Nagel treffenden Aussagen. Das ist durchaus verständlich, denn man möchte ja den Blick fürs irische Große und Ganze nicht mit prosaischen Ergüssen über einige - vielleicht gelegentlich mal vorkommende, nur ganz kurz anhaltende - Regengüsse verstellen.


Der Regen ist hier absolut, großartig und erschreckend.**

Auf der anderen Seite haben wir die kleinen Übertreibungen - als gäbe es überhaupt und einzig und allein und nirgendwo sonst eine Art von erschreckendem Regen, der dem irischen das Wasser reichen könnte. Anstatt einfach nur der nackten, nämlich kühlen und nassen Wahrheit ins Gesicht zu schauen, die da vom Atlantik herankreiselt, wird der Lesekundige mit Attributen überhäuft, die ihm einreden, irischer Regen habe etwas Erhabenes oder Heroisches, etwas Überlegenes, etwas unwiderstehlich Anziehendes. Aber die Frage, liebe Böllianerinnen und Böllianer, ist doch: Wo kommt dieses nasse Zeug überhaupt her? Wer schon mal über den kontinentalen Tellerrand hiesiger Wettervorhersagen hinausgeblickt hat, weiß es: Er kommt von den atlantischen Tiefs, denen an der irischen Westküste gar nichts anderes übrig bleibt als herumzuwirbeln.

Manchmal ähneln diese Wirbel dem Hinterkopf eines Mannes,
dessen dichtes graues Haar sich kreisförmig ausbreitet
und hinter den Ohren verschwindet.***


Ah, ja, das hat man schon mal gesehen als Herrenfriseur - eine treffliche Beschreibung. Dichterischer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Auf dem Festland hat es sich meist ausgekreiselt-ausgewirbelt, im Ostelbischen kommen nur noch Wetterfronten an. Man sieht ein dickes Wolkenband auf der Wetterkarte und weiß, morgen ist es vorbei und wenn nicht morgen, dann eben übermorgen. An der irischen Küste kreiselt es und die Westwaliser und die Südschotten können nur froh sein, dass ihnen die grüne Insel im Westen den größten Teil schon abnimmt.

Was die Schriftsteller so an Schrift erstellen, sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Ganz zu schweigen von Reisebuchautoren! Die tendieren dazu, die Verheißungen der Hochglanzprospekte zu übernehmen: "Auch in Irland", schreibt der Autor eines Radreisebüchleins - und der müsste es eigentlich besser wissen, seien "die Auswirkungen des globalen Klimawandels zu spüren. Schönwetterperioden mit viel Sonnenschein und Temperaturen von über 30 °C sind im Sommer keine Seltenheit mehr." Spricht der Mann wirklich von Irland? Oder von seinen Träumen?

Deshalb, so untermauert der Autor seine kühne Phantasie, ziehe es nun "sogar immer mehr spanische und italienische Touristen in das Land im hohen Nordwesten Europas." Was aber, wenn die Südeuropäer gar nicht wegen der menschenleeren Badestrände nach Irland kommen? Wenn sie, ganz im Gegenteil, der Hitze des Südens zu entkommen suchen? Wenn sie einfach nur den teutonischen Handtuchgeschwadern, die jeden Sommer die Mittelmeerküsten belagern, entfliehen wollen? Vielleicht sind sie selbst nur den Gespinsten klimawandlerischer Reiseveranstalter auf den Leim gehen.
Die längste "Schönwetterperiode" jedenfalls, die mir in meinen 35 Tagen Inselrundfahrt zuteil wurde, dauerte 24 Stunden, kurz gesagt: einen Tag!

Doch was bleibt der schreibenden Zunft anderes übrig, als das Unfassbare in Worte zu fassen - mit den unzulänglichen Mitteln der Sprache zu beschreiben, was sich jeder mitteleuropäischen Vorstellungskraft entzieht. Der auf das konformistische Entertainment von Wettervorhersagen konditionierte Menschenrest vertraut dann wohl eher darauf, dass es vielleicht nicht ganz so schlimm wird, wie der Met Éireann - der Meteorologische Dienst Irlands - verkündet. Wenn aber die Bewohner Irlands Mitte Juli frei heraus sagen: We're still waiting for the summer - wir warten noch auf den Sommer, nun ja, dann wird schon was dran sein an der Unwahrscheinlichkeit grenzenden Möglichlichkeit, dass man in Irland durchaus bessere Tage erwischen kann - jedenfalls bessere als ich sie bei meiner Radtour im Sommer 2015 erlebte.

Dabei hatte ich die ersten beiden Tage noch ziemlich Glück, typisches Anfangsglück könnte man sagen. Im "Sunny South East", wie Nordwestler den Südosten neidisch nennen, kommt von den Regenwolken, die sich an den Bergen der Atlantikküste stapeln und zu höherem Werk versammeln, deutlich weniger an - bis in den Osten im County Wexford hat sich das meiste Nasse abgeregnet. Aber schon zwei Tagesetappen nach Westen hinüber geht es los. Die Begrüßung einer Postfrau im schönen Küstenort Aird Mhor an der Copper Coast des County Waterford hätte mich stutzig machen können - sie sagte: What a lovely day! Was soll an diesem Tag so lovely sein, dass man darüber Worte verlieren müsste, fragte ich mich.

In den kommenden Tag fange ich an zu verstehen, dass blauer Himmel und weiße Schäfchenwolken keinesfalls sommerliche Selbstverständlichkeiten sind. Am River Lee, zwischen Cork und Inchigeelah, lerne ich Demut und Fluchen in unmittelbarer Folge. Der Freude an Momenten des Nichtregnens konnte schnell die Frustration über eine Ladung Wasser folgen, die sich im Schoße meines Regenumhangs gesammelt hatte, um sich bei einer Windböe mit mir auf Augenhöhe zu begeben, von wo sie sich als Wasserfall in meinen Kragen ergoss. In Augenblicken von purem Sonnenschein, wie ich sie in Glengarriff - auf dem Weg zum Ring of Beara - kurz genießen konnte, verwandelte ich mich sekundenweise in ein Kind und vollzog regelrechte Luftsprünge - zumindest in Gedanken. Jetzt wusste ich, was "lovely day" meinen und bedeuten kann. Nämlich die Ausnahme!

Bis auf einen einzigen, durchgängig sonnigen Tag, der mich bei meiner Radelei an der Südküste von Dingle bis in den westlichsten Zipfel Irlands regelrecht verwöhnte, änderte sich an dem "Warten auf den Sommer" nicht viel. Das regnerische bis verregnete, feuchte bis nasse, windige bis stürmische Wetter hielt mir bis in den August hinein die Treue. Erst als ich die nasse Insel fast vollständig umrundet hatte und in den sonnigen Südosten zurückkam, erlebte ich wieder einen Tag ohne Regen. Also darf ich resümieren, dass ich mir für meine Radtour um Irland - alles in allem betrachtet - nicht gerade den besten Sommer ausgesucht hatte.

Im absolut, großartig und erschreckend verregneten Black Valley wurde mir das Tal noch schwärzer, als sein Name verspricht. Doch es gab auch hier immer mal Momente von Nichtregen. Als ich an einer kleinen Kirche halte, kommen zwei Frauen heraus und sehen mich zögern, ob ich mich vielleicht etwas unterstelle oder weiterfahre. Eine der beiden sagt, ich solle hineingehen, man könnte sich drinnen was wünschen und das ginge dann in Erfüllung... Nie zuvor gelang es einer Frau, mir den Glauben an das Unmögliche mit so knappen und einfachen Worten nahe zu bringen. Und das Beste: es funktionierte... Na, ja, ein bisschen jedenfalls.

In den folgenden Serpentinen gibt es immerhin Momente von Nichtregen. Immer wieder blicke ich auf das Kirchlein hinab, wo ich meinen sehnlichsten Wunsch aussprach. Ich schnaufe die letzten Meter zum Gap of Dunloe hinauf - zumindest hoffe ich, dass der Pass nach der Kurve überwunden ist. Dass mir die Regentropfen hier plötzlich in einem anderen Winkel um die Ohren pfeifen, deute ich optimistisch als Gipfelnähe. Wenn man sein Rad schnaufend durch den Regen schiebt, deutet man eigentlich ständig etwas - im Grunde interpretiert man andauernd die geringsten Veränderungen. Komm schon, es ist gleich überstanden, ruft die Kurve, dann wird der Regen schon aufhören. Die Kraft, die in einer nicht einsehbaren Kurve steckt, ist mehr wert als alle Durchhalteparolen der Welt. Statt des erlösenden Gipfels, statt des Wind- und Regenschattens, auf den ich hoffe, kommt eine hübsche junge Radlerin um die Kurve gezischt. Sie ruft mir zu: What a lovely day, isn't it... Ist es Spott, Mitleid, Aufmunterung? Ich glaube, so einen kessen Spruch bekommt nur eine wachechte Irin über die Lippen. Und dabei lächelt sie und segelt vorbei - schnell und elegant wie ein Albatros!

Was für eine Beiläufigkeit! Heiliger Strohsack, mit so einem Weib könnte ich bis ans Ende der Welt radeln! Von diesem Geschöpf wäre, welches Wetter auch immer hereinbricht, kein einziges Wort des Unmutes zu vernehmen, glaube ich... Regen, Hagel, Schnee - diese Amazone würde einfach sagen: What a lovel day! Oder schwärmt sie nur retrospektiv - von dem sonnigen Tal, das sie gerade hinter sich hat? Und das ich hoffentlich gleich vor mir habe? Irgendwoher muss sie jedenfalls den Elan getankt haben, die Nonchalance, mit der sie hier ihr "lovely day" zwitschert! Ich drehe mich um und blicke ihr hinterher - noch ein Pedaltritt, schon ist das hübsche Vöglein hinter der nächsten Kurve entschwunden.


Diesen Regen schlechtes Wetter zu nennen,
ist so unangemessen,
wie es unangemessen ist, den brennenden Sonnenschein schönes Wetter zu nennen.**


Beim Thema Regen kann jeder Irland-Reisende mitreden - auf dem Sattel eines Fahrrades Wind und Wetter die Stirn bieten, tagelang, wochenlang, das ist durchaus noch etwas anderes. Schlimmer geht's immer... Wenn dir der Regen ins Gesicht pieselt, empfindest du jeden Satz, den Nichtradler über den Regen in Irland zu schreiben wussten, als beschönigend. Dagegen spricht eine irische Tageszeitung Tacheles, sie verspricht "the worst of the bad weather" - das Schlimmste vom schlechten Wetter. Während Dublin und der Osten nicht ganz so hart getroffen werde, erwarte den Westen und Nordwesten "the brunt of the heaviest and most persistent rainfall" - die Hauptlast der schwersten und hartnäckigsten Niederschläge... Im Westen und Nordwesten also, sososo - ich bin in Mayo und will nach Donegal, mehr Westen und Nordwesten geht in Irland nicht.

Ich bin fassungslos! Ich studiere den Artikel bis zur letzten Zeile - was bleibt mir anderes übrig, als irgendwo nach einem Schimmer von Hoffnung zu suchen. It's going to be very showery at the start of the week - es wird sehr regnerisch zum Beginn der Woche, wird der Mann vom Wetterdienst zitiert. Was ist heute? Samstag, aha - demnach ist der Dauerregen, den ich heute erlebe, nur ein Vorgeschmack auf die kommenden Tage. Passing showers - vorüberziehende Schauer? Man hüte sich, showers mit Schauer zu übersetzen - gemeint sind Güsse wie die unter einem Brausekopf in der Duschkabine! And some of them will be heavy on Monday and Tuesday - und manche davon werden heftig am Montag und Dienstag, with the possibility of thunder - mit der Wahrscheinlichkeit von Gewitter. Gibt es ein Entkommen?

Vertrauen wir lieber auf Murphys Gesetz. Was soll ich machen? Mich eine Woche in einem Kaff von West-Mayo einquartieren und stricken lernen? Selbst das würde, nach Murphy, allein schon deshalb schief gehen, weil es schiefgehen kann. Eh ich mir mit einer Stricknadel ins Auge steche, weil eine vom Donner erschrockene Katze vom Schrank spingt und auf meiner Schulter landet, fahre ich lieber weiter. Noch regnet es nur! Was  kann mir da schon passieren? Ich bin schon klatschnass - nasser kann ich nicht werden.


Man kann diesen Regen schlechtes Wetter nennen, aber er ist es nicht.
Er ist einfach Wetter, und Wetter ist Unwetter.
Nachdrücklich erinnert er daran, 
dass sein Element das Wasser ist,
fallendes Wasser.**


Alles und nichts sagende Beschreibungen des irischen Regens lesen sich angenehm, solange man sie in einem trockenen Zimmerchen lesen kann, wenn man den Regen in einem Raum aussitzt, wo - schlimm genug - die "Zunge einer Pfütze zur Tür hereinschlängelt." Ansonsten sei es gut, schreibt Böll,
"immer Kerzen, die Bibel und ein wenig Whiskey im Hause zu haben, wie Seeleute, die auf Sturm gefasst sind; dazu ein Kartenspiel, Tabak..." Nicht zu vergessen: "Stricknadeln und Wolle für die Frauen, denn der Sturm hat viel Atem, der Regen hat viel Wasser, und die Nacht ist lang." Wie wahr, wie wahr! Dichter müsste man sein - immer ein Fläschlein Whiskey und genügend Tabak im Hause, damit die Zeit nicht zu lang wird. Was Böll nicht ahnt: Auch ein Tag draußen auf dem Rad hat viel Atem! Draußen in Regen und Wind ist es mit der Bibel nicht einfach, man kann ja noch nicht einmal die Straßenkarte aufschlagen! Gewiss, man kann es versuchen, aber danach ist sie unbrauchbar. Ein Pfeifchen stopfen ginge vielleicht noch, aber wie anzünden, wenn das Nasse um jede Ecke pustet? Sich mit Whiskey den Regen sonnig saufen? Könnte funktionieren - ein Bett im nächsten Straßengraben, das ist immer frei, und es ist Sohommer, ja, was ist schon dabei...

Regen ist nicht gleich Regen. Da sollte man, wie es Hugo Hamilton versucht, klar und gründlich differenzieren: "Es gibt Nebelregen." - Ja, den gibt es - so was in der Art, so könnte man es nennen - wenn es nieselt. Aber "Irokesen-Regen" - was soll das bitte sein? Eine Art Regen, bei dem einem die Haare zu Berge stehen? "Regen mit Locken wie auf einer Rinderstirn"... Hat bitte mal jemand ein Foto von einer im irischen Regen geformten Rinderstirnenlocke zur Hand? "Regen, der über eine trockene, kahle Stelle peitscht." Klar, den gibt es - wahrscheinlich nicht nur in Irland. "Regen, der vom Wind oben gehalten wird und nicht fallen will," - hoffentlich träume ich heute Nacht nicht von Regen, der über mir in der Luft gehalten wird! Soll er doch ruhig runterfallen, dann ist's wenigstens Regen - und dann weiß man, von was man so nass ist.

Als wissenschaftlicher Feldforscher in Sachen irischer Regen gehe ich mal ganz kühl an die nasse Materie heran: Empirisch gesehen gibt es eigentlich nur zwei Arten von Regen - temporäre Güsse und nicht enden wollender Dauerregen. Zur ersten Kategorie zähle ich die kurze Husche (KuHu, bis 10 Minuten), die mittlere Husche (MiHu, bis 30 Minuten) und die lange Husche (LaHu, bis 60 Minuten), über diese drei muss man nicht weiter reden, sie können täglich ein, zwei Dutzend Male auftreten, das bedeutet mehr oder minder stark vor sich hin tröpfelndes Nass oder auch mal eine kalte Dusche. Dazwischen können sich Momente von Nichtregen, sogar Episoden von Sonnenschein
ereignen. Zum Dauerregen gibt es eigentlich auch nicht viel zu sagen, der dauert halt - zwei Stunden, drei Stunden, vier, fünf, sechs Stunden.

Garstig wird es nur, wenn sich Wind dazugesellt - zum Beispiel Fallwinde in den Gebirgspässen, da wedelt dir das Regencape um die Hüften wie das Kleidchen von Frau Monroe auf dem U-Bahn-Schacht. Einmal freute ich mich nach längerem Anstieg auf eine schnurgerade Abfahrt zur Küste hinab, doch der atlantische Äolos blies mir so stark gegen die Kniee, dass ich trotz des Gefälles pedalieren musste, um nicht rückwärts den Berg hinaufzurollen! An der Küste bekam ich die Böen von der Seite und stieg vorsichtshalber von meinem hohen Ross herunter. Das interessanteste Phänomen ist jedoch treffend mit dem Begriff "Four Winds" beschrieben, so ist in diesen Gefilden gar manche Herberge benannt und das dürfte kein Zufall sein. Beim Vier-Winde-Regen (ViWiRe) kommen die Böen entweder aus allen Himmelsrichtungen rasch abwechselnd, das macht sie völlig unberechenbar, oder im extremsten Fall aus allen Richtungen zugleich. Dann hilft nur noch: das Rad flach auf den Acker legen, sich selbst drauflegen, in die Speichen krallen, festhalten, warten, warten, warten, um nicht wie Hans Guck-in-die-Luft durch den Äther geblasen zu werden.


Ich habe Menschen von feuchtem Regen sprechen hören,
von weichem Regen und hartem Regen, von pissendem Regen

und penetranten Regen.***


Feuchter Regen? Weicher Regen, harter Regen - Firlefanz, Schreibtischphantasien! Pisswetter ist schon das treffende Wort. Als Radfahrer weiß man nicht nur vom Sprechenhören, wie penetrant Regen sein kann, sondern man bekommt die Pisse häufig direkt ins Gesicht penetriert. Wenn einem der Wind die Tropfen in die Nasenlöcher drückt, muss man durch den Mund atmen - aber dazu muss man dann wieder den Mund öffnen und dauernd Regen zu trinken, löst das Problem auch nicht. Wahrscheinlich ist es bekannt, dennoch wagt es nicht jeder offen auszusprechen: Regen ist nass. Manchmal sogar verdammt nass.

Wer beim Einsteigen in ein Auto ein paar Spritzer abbekommt, weiß nicht, wovon ich rede. Ich rede von Nässe! Ich rede von Wasser, von H2O, ich rede über einen flüssigen Aggregatzustand. Flüssig fühlt es sich besonders nass an, englisch: wet - das englische Wort für nass ist die erste Silbe des deutschen Wortes Wetter, das sollte zu denken geben. Ist das nicht seltsam? In Bölls "Betrachtungen über den irischen Regen" kommt das Wort "nass" kein einziges Mal vor - kein einziges Mal! Im gesamten Irischen Tagebuch taucht das Wort gerade achtmal auf - zum Vergleich: Zigarette taucht darin 39mal auf, Whiskey 27mal... Auch in Hamiltons gleichnamigen Essay über den irischen Regen ist das schlichte Wörtlein "nass" nicht zu finden. Nein, das stimmt nicht ganz - immerhin lese ich einmal: "Zum Iren gehört es, dass er klitschnass wird."***‚

Da hat die Irin aber Glück gehabt, dass sie nicht als "der Ire" zur Welt gekommen ist. Wenn solche Verallgemeinerungen schon sein sollen, dann könnte ich auch fragen: Was ist am irischen Regen eigentlich so besonders irisch, dass er nicht auch als walisischer Regen durchgehen könnte. Während meiner Anreise nach Irland erlebte ich im walisischen Swansea einen Guss, der könnte es mit jedem verdammten Guss sonstwo auf der Welt aufnehmen, auch mit irischen. Ich quälte mich gerade einen Berg hinauf zu einem Ort mit vielen Ls - zwei davon gleich am Anfang (ich meine ohne Vokale dazwischen!) - und es war finster und es goss sintflutartig. Es goss die ganze Nacht und es zwang mich zur Umkehr - zum Bahnhof, wo ich den Rest der Nacht auszuharren vorzog, nass biss auf die Knochen.

Am nassesten erfährt man den irischen Regen, wenn man mittels Fahrrad durch den irischen Regen fährt - dito. "Manchmal erfährt man gar nicht, wie das Wetter in Irland ist, weil einige Fernsehsender in Großbritannien immer noch glauben, es halte an der Grenze Nordirlands, ungefähr so, wie das Wetter früher hinter der anderen Seite der Berliner Mauer verschwand." Das wäre natürlich eine vernichtende Kritik der Irland-Ignoranz britischer Fernseh-Wettervorhersagen, mit welcher der investigative Autor seine künftige Einreise ins Vereinigte Königinnenreich aufs Spiel setzt. Andererseits könnte man als deutsch-irischer Schriftsteller, wenn man denn schon auf den Spuren Bölls durch Irland reist, auch einfach das irische Fernsehen einschalten oder - noch beser - einfach mal aufs Rad steigen, so erfährt man am besten, wie sich irischer Regen anfühlt - nämlich, ich wiederhole mich gern: nass! Ja, auch klitschnass.


Und wieviel Wasser sammelt sich über viertausend Kilometer Ozean,
Wasser, das sich freut, endlich Menschen, endlich festes Land erreicht zu haben,
nachdem es so lange nur immer ins Wasser, nur in sich selbst fiel.
Kann es dem Regen schließlich Spaß machen, nur immer ins Wasser zu fallen?**

Nein, immer nur in sich selbst zu fallen, das wäre sicher langweilig - dem Regen macht es gewiss einen Heidenspaß, radfahrende Aktivurlauber zu durchnässen... Ihm, dem Regen, menschliche Eigenschaften und Sehnsüchte anzudichten - Lüste und Früste und Spaß an der Freude - ist wunderbar metaphorisch. Das Grässliche zu vermenschlichen, das Schauer- und Schauderhafte zu beseelen - was könnte ein romantisches Gemüt mehr verzücken! Die Versentimentalisierung des Regens wirkt so absolut großartig und erschreckend tiefsinnig auf mich, dass ich es Hamilton nicht nachtrage, wenn er Bölls Ergüsse über Regengüsse, etwas abgewandelt, wiederholt: "Der vom Ozean kommende Regen ist froh, nach einer so langen Seereise endlich auf Land zu stoßen." Soll er meinetwegen froh sein, soll sich das Wasser doch freuen - mir doch egal! "Hier füht er sich heimisch und trommelt aus Leibeskräften auf die Häuser."*** Soll er trommeln und sich heimisch fühlen! Aber klar tut er das! Vor allem tut er das auf dem knallroten Regencape eines durch Irland radelnden Ukulele-Lehrers - manchmal tut es richtig weh: das Trommeln, des Regens.

Dieser tierische irische Regen kennt sich nicht nur oberflächlich auf meinem Regenumhang aus, nein, er kennt längst auch jede undichte Naht und all die Innentaschen - er kennt sie von außen, er kennt sie von innen. Er lacht über die Flüchtigkeit des Leimes, der die durchsichtige, als seitliche Sichtfenster gedachte Folie an der Kapuze halten sollte. Er lacht über das ganze unausgereifte oder völlig überzüchtete Kleidungsstück, über seinen naiven Träger. Über die Hersteller und Verkäufer dieser in chinesischen Handarbeit gefertigten Produkte schmunzelt er nur, denn die haben wenigstens einen Nutzen davon, erst recht wenn alles schnell zerfleddert ist und unbrauchbar wird. Indessen der Nutzen des Nutzers bliebe zu erklären, denn der Schutz vor Nässe kann es ja nach bisherigen Erfahrungen nicht sein.

Schon bei einer KuHu, spätestens bei der MiHu dringt das Nass von außen nach innen - zuerst durch das Loch fürs Gesicht des tapferen Radlers, dann auch durch undichte Nähte an Ärmeln und Taschen. Das Pedalieren erzeugt eine gewisse Wärme, alsbald dampft es unter dem Cape wie in einem Gewächshaus - an der Innenseite des Umhangs verteilt sich das durchgesickerte Nass und mischt sich nach Belieben mit dem Kondensat eigener Ausdünstungen - sodann klebt das Ganze auf nackten Armen und Händen wie ein Saugnapfhaken an der Duschkabinenfliese. Während der Radler ohne den Nylonponcho schnell im Fahrtwind trocknen würde, hält das fahrende Gewächshaus die Nässe unter sich gefangen und befördert sie kreuz und quer durch Irland.

Schauen wir uns die - aus der Sicht ihrer Hersteller erwähnenswürdigen - Vorzüge eines Regenponchos der Marke "Deluxe" mal im Detail an: "Nylon mit PU-Beschichtung" - reicht bei windfreiem Nieselwetter völlig aus - für ein Weilchen; "Reflektorstreifen" - geben dem Träger dieses Umhangs die Anmut eines fahrenden Verkehrsschildes; "universelle Größe" - denn alle Menschen sind gleich groß, gleich lang, gleich breit und werden Brüder; "Kapuze mit seitlichen Sichtfenstern und Kordelzug" - die denken wirklich an alles, außer an die Scheibenwischer für die Seitenfenster; "Reißverschluß mit Windschutz" - Mannomann, der Reißverschluss hat's gut; "mit 2 Halteschlaufen innen" - besser man hat sie und braucht sie nicht als umgekehrt; "Durchgrifföffnungen mit Klettverschluß" - wahrscheinlich falls man mal pinkeln muss; "große Außentasche" - vermutlich zum langsamen Einweichen der Straßenkarte und anderen Dingen aus Papier, die man jederzeit mit nassen Händen anfassen können möchte; "mit Reißverschluß und Regenabdeckung" - schön für den Reißverschluss! Doch das Allerschönste kommt zum Schluss: "waschbar bis 40 °C" - nach einigen Tagen im Outdoor-Einsatz (im Schnitt bei nur 14 Grad) ist das Teil bereits so was von hinüber, dass es keinen weiteren Vollwaschgang mehr übersteht.

Wozu in aller Hergottsnamen muss ein Regenumhang lauter Außen- und Innentaschen und "Durchgrifföffnungen" haben? Wozu seitliche Sichtfenster ohne seitliche Scheibenwischer? Wozu Reißverschlüsse, die ihrerseits einen Windschutz und Regenschutz benötigen? Jetzt braucht es nur noch eine praktische Regenschutzhülle für den praktischen Regenponcho und der Wahnsinn ist perfekt. Wahrscheinlich wurde dieses praktisch unbrauchbare "Deluxe"-Produkt niemals auf irgendeine Praxistauglichkeit getestet. Man sollte es wenigsten 12 Stunden am Stück - unter dem ist bei einer richtigen Radreise keine Tagesetappe - in einen Wind- und Regenkanal hängen. Und zwar mitsamt dem Verschlimmbesserer, der diesen Deluxe-Unfug fabriziert hat!!! Nach diesen 12 Stunden sollte man ihm das Cape noch eine halbe Stunde lang um die Ohren klatschen, so wie es einem Radler im realen Radlerleben widerfährt, wenn er in Mayo - God help us! - über die Landstraße gefegt wird.

Der "Wild Atlantic Way", der sich an der gesamten Westküste Irlands entlangwindet, heißt nicht ohne Grund "wild". Atlantischen Tiefs - für Festlandeuropäer nur aus der Wettervorhersage bekannt - kreiseln an Irlands Küsten mit wilder Lust am wilden Kreiseln. Wäre ich ein Dichter, würde ich sagen "absolut großartig und erschreckend". Doch ich halte mich an die nüchternen meteorologischen Fakten: Statistisch gesehen sind von den 31 Julitagen sage und schreibe 24 Regentage, auch im August ist das nicht anders, nur die Regenmenge ist dann noch etwas größer. Im Wesentlichen ähneln sich die Zahlen in den übrigen Monaten. Zum Vergleich, Dresden hat in den Sommermonaten 9 bis 10 Regentage, selbst die regenreichsten Städte Deutschlands überbieten das nur um einen Tag. Also, ja, Irland ist eine nasse Insel. Punkt.

Aber das ist alles nur statistsicher Mttelwert - ich war in einem besonderen Sommer in Irland, in einem Sommer, der auf Irland so viel Regen regnen ließ, dass fürs europäische Festland, wo sämtliche Hitzerekorde seit dem Beginn der Aufzeichnungen gebrochen wurden, kaum noch Wasser übrig blieb. Von insgesamt 35 Tage auf der nassen Insel bekam ich 32 Regentage ab! Mit anderen Worten: nur drei Tage, an denen ich nicht nass wurde... Und "nicht nass" heißt schlicht und ergreifend nicht mehr und nicht weniger als "nicht nass". Denn es wäre übermütig, bei diesen drei Tagen gleich von Sonnentagen zu reden! Freilich gab es bisweilen Momente, die waren so was von lovely, dass ich die schönsten Bilderbuch-Fotos machen konnte.


Untertreibungen sind die Spezialität von Schriftstellern und anderen Leuten, die übers Wetter schreiben und sinnieren - was üblicherweise in trockenen Stuben stattfindet. Aber egal
! Was zählt, sind die Fakten: Fakt ist: Ich radelte fünf Wochen durch Irland, meine diversen Regencapes blieben an drei Tagen trocken. Nein, ich mache kein Ausrufezeichen hinter den vorigen Satz. Eines der Capes entsorgte ich vorschriftsmäßig, eine Regenjacke hatte ich in Reserve, einen Regenmantel erwarb ich in Dublin dazu. Apropos Dublin, einem verregneten Nachmittag - "in Dublin's fair city where the girls are so pretty" - verdanke ich einen Besuch der National Gallery of Ireland. Die Ausstellung ist vom Umfang her nicht im geringsten mit etwas wie der Tate Gallery oder dem Louvre kompatibel, aber es gibt einige große Meisterwerke der irischen Malerei zu bewundern - und man kann hinterher noch ein Stündchen im Buch- und Kitschladen des Museums verweilen. Dort fällt mir natürlich - neben einem Bändchen Yeats-Gedichte im praktischen Reisewestentaschenformat ein Buch zum wichtigsten aller irischen Themen in die Augen: LOOKS LIKE RAIN - 9,000 Years of Irish Weather.

Ich blättere ein wenig darin und bekomme einen Eindruck davon, wie sehr die Geschichte Irlands vom Wetter  - "generally bad" - geprägt war und wie dieser nasse Umstand Mitte des 19. Jahrhunderts die katastrophale Kartoffelfäulnis herbeiführte. Ich lese desweiteren, dass irische Meteorologen ihre Vorhersage für den nächsten Tag aufs gesamte übrige Jahr übertragen könnten - und dass Oliver Cromwell mit hoher Wahrscheinlichkeit an einem Mückenstich starb... Armer Cromwell! Als grausamer Eroberer Irlands so erfolgreich, soll er einer für irische Verhältnisse recht unplausiblen Krankheit wie Malaria erlegen sein. Irgendwie ist das alles recht wissenswert oder wenigstens unterhaltsam, aber: Hardcover, 20 cm hoch, 13 cm breit, 3 cm dick - zu überdimensioniert fürs minimalistische Radlergepäck.

So viel, glaube ich, dürfte feststehen: Ein sich nach Irland verfliegendes Mosquito, dass bei schlaffen 12 Grad über dem Gefrierpunkt seinen Stechrüssel steif genug bekommt, einen Cromell zu Fall zu bringen, muss ein katholisches gewesen sein. Dass die Geschichte Irlands ohne Cromwell, besonders aber ohne Regen, einen anderen Lauf genommen hätte, ist naheliegend. Irgendwann ist auch ein Feldherrenhügel mal durchgeweicht und dann wollen alle Krieger nur noch heim ins Pub. - "Der Regen kann tagelang fallen, aber erhöht das nicht den Wert der guten Tage? fragt Hamilton. Und wie! What a lovely day! Dito. - Ist dieser gelegentlich von Nichtregen unterbrochene Dauerregen "nicht der Grund, weshalb die Iren den fehlenden Sonnenschein seit jeher durch Musik, Geschichten und Volksaufstände ersetzt haben?"

Ja, das mit den Auständen und explosivstoffreichen Widerständeleien ist eine Nummer für sich - der Osteraufstand von 1916 jährt sich in diesen Tagen zum 100. Mal, was in der Republik Irland irgendwie gefeiert wird, dem Rest der Welt aber egal ist. Heute kann man, was dynamit- und bleihaltige Luft betrifft, recht gefahrlos durch L-----derry und Belfast spazieren - von ein paar frisch mit Kugeln durchsiebten Verkehrsschildern an Antrims schöner Küste sollte man sich nicht beeindrucken lassen. Nur am Wetter hat sich rein gar nichts geändert! Die Abschaffung des Irish Mist ist politisch machbar, aber meteorologisch nicht umzusetzen. Und so wird die nasse Insel noch lange die grüne Insel bleiben, die wir zurecht umschwärmen und allen Schauern zum Trotze bereisen und beradeln.

Was mich nicht nasser macht, macht mich trocknener.


An dieser Stelle überlege ich, was berühmte Autoren über den irischen Regen gesagt hätten, wenn sie ihn erlebt hätten. Rilke: Du musst den irischen Regen nicht verstehen. - Mark Twain hätte gelästert: Der irische Regen ist bei weitem nicht so schlimm, wie man über ihn erzählt, solange er nur in Irland bleibt und irische Köpfe beregnet. - Woody Allen hätte mal wieder all seinen Mut zusammengenommen: Ich habe keine Angst vor dem irischen Regen, ich möchte nur nicht dabei sein, wenn er regnet. - Nietzsche wäre ohne Zweifel zu der Schlussfolgerung gekommen: Wenn du nach Irland gehst, vergiss den Regenschirm nicht!- Descartes: Ich werde nass, also regnet es. - Knifflig wird es bei Sloterdyk: Nichts kann den in und um Irland herum zirkulierenden Velopedalisten zwingen, regnerische Monaden auf seinsphilosophische Hochlagen zu beschränken, solange er nicht spürt, wie eine für ihn gültige Vertikalspannung sein Leben und damit sein Fahrrad
aus den Angeln hebt.

Auch das steht fest: Ohne Regen gäbe es keine Philosophie! Wer denkt schon über das Nichtsein nach, hätte er angesichts einer Woche Regens nicht auch den Wunsch danach! Plus die erforderliche Zeit und Griesgrämigkeit dazu! Niemand käme auf die Idee, Betrachtungen über den irischen Regen anzustellen, wäre die Welt nur voller Sonnenschein. Statt der Wolken hätte die Natur unterirdische Bewässerungssysteme hervorbringen können - eine Million über die gesamte Erde verstreute Meteorologen müssten dann arbeiten gehen! Gezeter bezüglich des irischen Regens ist auch das Elexier von Wir-Touristen, von Rabattmarkensammlern, Petitionsunterzeichnern und anderen Rudelexistenzen. Der einsam durch die Welt radelnde Pedalritter bewertet nicht, was ihm auf den Kopf fällt, was ihm ins Gesicht peitscht, was ihm den Nacken hinuntersuppt. Und wenn ihm die Nässe noch so unterwürfig die Waden und Schenkel hinauf und bis in den Schritt kriecht: er jammert nicht, er nörgelt nicht! Kein Seufzen und kein Maunzen ist von seinen Lippen zu vernehmen. Der wahre Held der Straßen dreht sich kurz um, wirft einen Blick auf seine Ukulele (sein wichtigstes und am besten geschütztes Gepäck), schaut wieder nach vorn - und nimmt einfach zur Kenntnis: Regen. Und fährt weiter.

Zum Schluss, liebe Böllianerinnen und Böllianer, will ich euch - allem irischen Nass zum Trotze - ermuntern, aufzusatteln und loszuradeln. Wem der Herrgott so gnädig war, einen verständigen Gefährten zur Begleitung zu gesellen, genieße den Regen in trauter Zweisamkeit. Am besten ist es aber vielleicht doch, allein auf weiter Flur zur radeln - da gibt es unterwegs dezidiert den wenigsten Knatsch. So kann man das Nass voll auskosten und wird nicht durch Fremdgejammer abgelenkt. Studiere also deine Karten oder lade dir GPS-Tracks ins Navy, falls es für Irland schon welche gibt. Lies so viele irische Tagebücher und Essays über den Regen, wie du kannst. Und damit du hinterher nicht sagen kannst, du hättest von nichts gewusst, schau auch mal in mein Irisches Fahrtenbuch - darin habe ich, wie es sich für ein gut geführtes Fahrtenbuch gehört, auf jegliche Kilometerangaben verzichtet, geize aber nicht an Notizen zum Wetter und sonstigen Unannehmlichkeiten. Wenn du aber einfach nur verstehen willst, warum Irland trotz allem Irish Mist eine Radreise wert ist, blättere dich durch mein Irisches Bilderbuch - das zeigt dir die Sonnenseiten Irlands und die Momente von Nichtregnen, die man immer mal wieder erwischen kann.

Vor allem aber, liebe Freunde des Zweibeinmotors, denkt bei euren Reiseplanungen an meine schlichten Worte: Lasst die schicken schwarzen Packtaschen aus Leder besser zuhause - die saugen sich beim ersten Guss mit H2O voll und trocknen dann nie wieder, nie! Vergesst auch Placebos wie Imprägnierspray oder Regenschutzhüllen, lächerlich! Das einzige, worauf es ankommt, wenn ihr nachts im tockenen Pyjama schlafen wollt, ist, dass alles dicht ist, richtig dicht! Wasserdicht!!! Also, egal wie polyurethan-mäßig und ästhetisch abstoßend diese neumodischen Igelit-Packtaschen, die heuer in den Läden rumhängen, auch aussehen - sie gelten als wasserdicht und sind es womöglich auch. Also nochmals: wasserdicht, das ist, was zählt - in Irland.










Obligatorisches:
* Norbert Kulawik: Tagebuch 2014> irlandfan.de
** Heinrich Böll: Irisches Tagebuch; 1957
*** Hugo Hamilton: Die redselige Insel. Irisches Tagebuch; 2007

Ethnographisches:
Tomás O'Crohan: Die Boote fahren nicht mehr aus. Bericht eines irischen Fischers; 1983

Geschichtsmeteorologisches:
Damian Corless: Looks like rain - 9,000 Years of Irish Weather; 2013

Velopedalistisches:
> Key Wewior: Das Irland RadReiseBuch. Ein Fahrrad-Tourenführer; 2006/2008 - übersichtliche Streckenbeschreibungen, sämtliche Angaben zu Unterkünften etc. sind jedoch hoffnungslos veraltet - auch deshalb empfiehlt sich noch was...

Bildungsbürgerliches:
> Bernd Biege: Irland, 2014 (Stefan Loose Travel Handbücher), etwas schwer fürs Radlergepäck, aber als Nachschlagwerk für unterwegs kaum verzichtbar.

Kartographisches:
> Ordnance Survey-Karten im Maßstab 1:50.000 sind natürlich das Detailgetreueste, was es gibt... Aber muss man wirklich jeden Feldweg finden können? 80 Einzelkarten (zum Stückpreis von 10 Euro!) sind weder nötig noch transportabel. In den Tourist Offices sowie in Herbergen liegen kostenlose Umgebungskarten aus, die zeigen das Gelände in adäquatem Maßstab. Zusätzlich eine Straßenkarte der gesamten Insel im Maßstab 1:300.000 ist zwar nicht das Optimale, erfüllt aber fürs Grobe ihren Zweck.

Eigenes:
> Irisches Bilderbuch - gut 200 Fotos
> Irisches Fahrtenbuch - gut 200 Sätze

Sonstiges:
N THE R(O)AD - Unterwegs mit der Ukulele





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