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Memoiren aus dem Ukulele-Leben

2018


Die junge Reporterin

von der SZ




 



Vorwort

Immer mal wieder entdeckt ein Redakteur oder eine Redakteurin das Thema Ukulele - den anschließend publizierten Artikeln zufolge als ein ganz neues Phänomen - als Boom oder gar als Hype… Die Übertreibung aber liegt dann meistens doch bei denen, die erst spät auf das Instrument aufmerksam werden - und im Jahre 2018 kann man guten Gewissens sagen: 10 Jahre zu spät. Auch in deutschen Landen ist die Ukulele schon viel länger heimisch - und da ist die Rede von 100 Jahren. Manche Journalistinnen sind mit Mitte 20 aber einfach zu jung, um das wissen zu können. Sei's drum, Reporterinnen können ja etwas dazu lernen - wenn sie wollen.

Die meisten wollten auch etwas lernen. Es waren schon sehr symathische junge Frauen bei mir und haben für diese oder jens Blatt geschrieben. Es ist auch erst ein paar Jahre her, dass die SZ (Sächsische Zeitung) bei mir war. Damals - ich glaube, es war 2011 - wurde eine halbe Seite gefüllt, er Text war wie alle Ukulele-Artikel jener Zeit natürlich mit den üblichen Stereotypen ("Minigitarre") und dem ewig wiederholten Narrativ vom "hüpfenden Floh" als Namensgeber des Instrumentes garniert. Aber was meine Wenigkeit betraf, war er soweit in Ordnung. Das Foto, im Garten von Ukulelestan aufgenommen, gereichte beiden Beteiligten, dem vor wie dem hinter der Kamera, zu Ehre. So weit so gut.

Dass man hierzulande bei digitalen Recherchen zur Ukulele auch heute noch auf der deutschen Webseite landen wird, die sich seit Anfang des Jahrhunderts ausführlich mit dem Instrument beschäftigt, bereits seit 2003 Ukulele-Unterricht anbietet und seit 2004 über das in Laubegast weltberühmte Ukulele Orchester Laubegast berichtete, sollte nicht verwundern. Und so kommen Reporterinnen, Journalisten, Redakteue, Talentsucher, sei es von Zeitschriften, vom Radio oder Fernsehen, gelegentlich noch immer - oder auch immer wieder - zu mir. Allerdings ist meine Offenheit für derartige Besuche nach dem Besuch einer Reporterin, die Anfang 2018 einen ganzseitigen Artikel für die Sächsische Zeitung schrieb, gegen Null gesunken. Und davon handelt diese Geschichte.




Mit Ihnen als Protagonisten...

Diesmal soll es also eine ganze große Seite in der Tagespresse werden. Eine Reporterin der Sächsischen Zeitung, nennen wir sie Dominique Bielmeier, denn unter diesem Namen schreibt sie, fragte mich Anfang Januar 2018 per Email an, ob ich ihr ein Interview geben würde - sie wolle einen Artikel über die Ukulele schreiben: „mit Ihnen als Protagonisten“. Gut, warum nicht. Ist ja nicht das erste Mal. Eine ganze Seite? Na, toll! Da könnte ich auch einmal die Namen jener Protagonisten ins Gespräch bringen, die für mich die eigentliche Rolle spielen. Das sind inspirierende Musiker aus den Anfangszeiten der Tonaufnahme ebenso wie die Virtuosen heutiger Tage. Leider werden gerade diese namen zugunsten von Trittbrett-Fahrern häufig unterschlagen.

Die Reporterin hat deren Namen vielleicht schon auf meiner umfänglichen Internetseite gelesen und möchte mehr darüber wissen. Gerne möchte ich ihr ein paar weniger bekannte Details über das Instrument erzählen. Ich kann ihr einige besondere Exemplare und sogar Unikate vorführen - so etwas bekommt sie in keinem Musikladen Deutschlands zu sehen, vielleicht nicht einmal im Internet. Wenn sie also einen Artikel über Ukulelen schreiben will, der sich von den üblichen Klischees abhebt, ist sie bei mir genau richtig. Natürlich bin ich auch auf die Frage vorbereitet, wie ich selbst zur Ukulele kam, zumal diese Episode ein besonderes Beispiel dafür ist, wie ein Zufall manchmal den Lebensweg in eine Richtung lenkt, wo man trotz aller guten Vorsätze einige Jahre lang kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen bekam.

Ja, die Reporterin muss eigentlich nicht besonders vorbereitet sein, sie muss sich nur das Wichtige notieren können, kann jederzeit nachfragen oder auf meinen Seiten nachlesen. Einige Episoden sind dort schon lange nachzulesen. Da die Reporterin sich in ihrem Schreiben außerdem als Ukulele-Spielerin ausgibt, gehe ich davoon aus, ihr Interesse könne eine profunde Basis haben. Also lade ich sie nach Ukulelestan ein, wo es natürlich von Ukulelen nur so wimmelt. Hier gibt es normale, flache und superdicke Ukulelen, mit normalen oder langen Hälsen, in diversen Stimmungen, auch für Linkshänder, auch ganz extravagante Exemplare, Standard fürs tägliche Üben oder zum Ausleihen für Anfänger - im Laufe von zwei Jahrzehnten Ukulele kommt da einiges zusammen.



Durchgesessene Sitzmöbel

Ich bitte die junge Frau, auf meinem Sofa Platz zu nehmen - in ihrem Artikel wird sie es als „durchgesessen“ beschreiben. Tatsächlich sind die meisten meiner Möbel aus Uromas Zeiten übrig geblieben, also nicht mehr ganz neu - die Reporterin wird sie in ihrem Artikel als „Holzmöbel“ bezeichnen… Ihr Interesse an der Epoche der Holzmöbel überrascht mich einigermaßen - denn ich dachte, es soll um ein Instrument namens Ukuele gehen....
 

Außerdem glaubte ich bisher, dass so ziemlich jedes Möbelstück etwas mit Holz zu tun hat. Aber ich kann mich irren. Stimmt, in Nachbars Gärten sah ich Mobiliar aus edelster weißer Plastik, nicht mein Geschmack, aber wir leben halt in einer Plastikwelt. Wenn ich gerade über Holz nachdenke, fällt mir ein: In vorweihnchtlichen Aldi-Regalen entdeckte ich einst sogar Kartons mit der Aufschrift „Holzgitarre“. Was es alles gibt! Gitarren aus Holz! Beim späteren Lesen des Artikels wird mir umso bewusster, dass ich bei mir zuhause von Holzmöbeln und sogar Holzukulelen umgeben bin - lauter Überbleibsel des Holzzeitalters...

Das durchgesessene Sofa

Ich erwähne, dass es sich auf dem Sofa sonst meine Schüler bequem machen und dass sie auch mal ihre Späße mit dem Lampenschirm einer Stehlampe machen und sich auch sonst wie bei sich zuhause fühlen dürfen - sie wird das in ihrem Artikel mit „fläzen“ übersetzen.

 

 

Und der Ohrensessel erst!

 

Fotos von "fläzenden" Kindern, die also auf meinem Sofa oder im "Ohrensessel" herumlümmeln, könnte ich Dutzende präsentieren. Manchmal machen sie auch einen Kopfstand, manchmal bringen sie auch ihre Katze, öfters ihre Plüschtiere mit. Und wenn Mütter ihre Babys und deren Geschwister mitbringen, kann es bei mir auch mal wie bei der Tagesmutter auf dem Fußboden aussehen, wo ich eine Zeitlang meinen Beitrag zur frühkindlichen Musikbegeisterung leistete. Natürlich erinnere ich mich gern an all die fröhlichen Momente mit Kindern und Müttern und Tagesmüttern. Die Reporterin, der ich eine Tasse feinen vietnamesischen Grüntee anbiete, wird später schreiben, dass ich beim Erzählen der Geschichten mit Kindern lächle, ansonsten aber sei ich „etwas kauzig“...




Etwas kauzig

Hm... Ich erwidere die schriftlich Anfrage nach einem Interview mit aller Freundlichkeit, beschreibe der Reporterin den Anfahrweg, damit sie sich in den verwinkelten Sackgassen Ukulelestans nicht unnötig verfährt, ich serviere ihr feinen vietnamesischen Tee, beim Abschied schenke ich ihr eine meiner Ukulele-CDs, später schicke ich ihr noch ein paar prominente Zitate, die sie sogar verwendet - wofür sie sich aber mitnichten bedankt! Und diese Reporterin beschreibt mich in ihrem Artikel, der in der größten Tageszeitung Sachsens erscheint, als "etwas kauzig"?! Nun ja, ich weiß nicht, ob das die feine Art ist. Etliche meiner Schüler besuchen mich seit 10 Jahren, und deutlich länger! Kommen die zu mir, weil sie meine durchgesessenes Sofa oder meine kauzige Art mögen? Das kann ich mir nicht vortsellen. Ich halte es eigentlich für mehr als kauzig, wenn eine Reporterin jemand, den sie gerade einmal eine Stunde kennenlernen konnte, derartig diffamiert.

Was habe ich der jungen Frau getan? Gut, ich bin nicht auf das Du eingegangen, dass sie mir durch das Nennen ihres Vornamens an meiner Wohnungstür indirekt angeboten hatte. Nach guter alter und - meines Wissen auch - nach aktueller Sitte ist es noch immer des Vorrecht der Älteren, den Jüngeren das Du anzubieten - Ukulelestan ist nicht Ikea. Nur weil ich nicht gleich das Du einer jungen Reporterin annehme, die altersmäßig meine Enkeltochter sein könnte, bin ich ja wohl noch lange kein Kauz. Wie kann sich die Frau eine solch boshafte Formulierung anmaßen! Meine Sitzmöbel beschreibt sie als durchgesessen, meine Schüler, die sich nicht kennt, beschreibt sie als fläzend - und mich als etwas kauzig. Über das eigentliche Objekt des Artikels, die Ukulele, weiße sie wenig mitzuteilen und auch das Wenige ist teilweise noch falsch. Ist sie vielleicht auch noch nicht ganz der Sprache mächtig, in der sie schreibt? Stellt die Sächsische Zeitung jetzt jede dahergelaufene Tussi an, die ein paar Zeitungsspalten mit unpassenden Wörtern füllen kann?





Um was geht es eigentlich?

Sollte es nicht um Ukulelen gehen?

 

Zunächst greife ich eine außergewöhlich gut klingende Sopran-Ukulele (im Foto rechts). Erst wenige Wochen zuvor schickte sie mir der Hersteller aus dem bayrischen Kitzingen. Der Korpus hat eine Decke aus Zeder, alles andere ist aus Palisander. Das durch seine Härte besonders beständige Tropenholz wurde noch in den 80ern verarbeitet, später stand Palisander zum Schutz tropischer Wälder auf einer Verbotsliste der EU.

Als Scherz ist die Ukulele mit dem unten begradigten Korpus (im Foto links) gedacht - bei dieser Ukulele ließ es sich der Meister nicht nehmen, aus dem Missgeschick eines Praktikanten eine aufstellbare Ukulele zu machen. Da mir die Ukulele-Ständer und Wandhaken längst ausgegangen sind, eröffnet sich für dieses Unikat eine ganz andere Parkmöglichkeit, nämlich die aufrechte Platzierung auf meinem Bücherschrank, in dem - neben Büchern natürlich - auch schon zwei außer Dienst gestellte Ukulelen, eine alte Geige und etliche Mundharmonikas aufbewahrt sind. Ich erläutere der Jungreporterin die Besonderheiten der Ukulelen, drücke ihr die zuerst beschriebene Rarität (im Foto rechts) in die Hand und ermutige sie schließlich, die Saiten zu zupfen...

Zu meiner Überraschung bekommt sie kaum einen Akkord zu greifen und schrammelt zaghaft und ohne jedes Taktgefühl, herum. Schrieb sie nicht, sie sei Ukulele-Spielerin? Ich glaube, sie merkt, dass ich merke, dass mit ihrer Behauptung etwas nicht stimmen kann... Ich erlaube mir, ihr eine Gratis-Stunde Unterricht anzubieten - aber vielleicht war das jetzt taktlos von mir. In jedem Fall war es gut gemeint. Ich ergänze ausdrücklich, dass ich nicht die Absicht hätte, sie als Schülerin zu werben, da ich aus Zeitgründen schon seit einer ganzen Weile keine neuen Schüler mehr annehmen kann.

Ist die Frau jetzt einfach nur von der Fülle an Information überwältigt? Ist sie eingeschüchtert, weil sie merkt, dass sie schlecht vorbereitet ist, dass ihre bisherigen Kenntnisse über das Instrument bedeutungslos sind, dass es ihr gerade nicht möglich ist, dem Instrument etwas wie Musik zu entlocken? Sie stellt Fragen nach meinen familiären Verhältnissen, aber sie hat quasi keine Frage zu dem Instrument, um das es gehen sollte!

Da sie keine relevanten Fragen stellt, erzähle ich ihr von meinen Reisen, bei denen ich, je nach Reiseziel und -dauer, dieses oder jene Instrument im Gepäck habe. Bei meiner radlerischen Umrundung Irlands im Sommer 2015 war es eine ganz neue Ukulele aus Riegelahorn. Ich zeige ihr das besondere Instrument, das ich gut gepolstert auf dem Gepäckträger meines Bond Cruisers durch kontinentale Hitze wie durch die stürmischen Regengüsse von Wales und Westirland fuhr. Ich erwähne diese Umstände, weil ich es wichtig finde hervorzuheben, dass eine gute Ukulele auch nach solch extremen Bedingungen nicht ihre Stimmung verliert. Ich war selbst überrascht, wie gut die Ukulele den radlerischen Transportbedingungen widerstand, denn bei der ersten Teilnahme an einer Session in einem ländlichen Pub winkten mich die Musiker, als sie an mir eine Tasche bemerkten, in der sich ein Instrument vermuten ließ, ohne zu Zögern an ihren Tisch - mir blieb keine Zeit, die Simmung zu prüfen. Aber alles stimmte - perfekt.




Schrott für 15, 20 Euro

Zur Ehrenrenrettung der jungen Reporterin, muss ich sagen, dass sie einige Ukulele-Aspekte meiner Irland-Radelei ganz nett zusammenfasst hat. Allerdings muss ich bei dieser Belobigung auch wohlwollend darüber hinwegsehen, dass sie ganz verschiedene, teils 20 Jahre auseinander liegende Episoden in eine verwurstelt hat. Kann passieren, mindert den Informationswert in Bezug auf die Ukulele, um die es geht, wenig. Der Fairness halber muss ich ebenso erwähnen, dass ich ihrer Frage nach dem Mitschnitt des Gesprächs nicht zustimmte - dafür habe ich gute Gründe: Wir leben bekanntlich seit einigen Jahren im postfaktischen Zeitalter und da ist nichts schlimmer als zerstückelte Tonaufnahmen, die für authentisch gehalten werden und doch manipuliert sind. Im Zweifel über ihre handschriftlichen Notizen oder ihr Gedächtnis hätte die Reporterin, so mein Angebot, das ganze Wochenende lang Gelegenheit gehabt, Details telefonisch oder per Email nachzufragen. Hatte sie aber nicht nötig.

Wie sie bereits bei meinem Rückruf erwähnt hatte, kam sie am Nachmittag ihres Besuches bereits von einen Termin in Meißen - und dazu musste sie vermutlich auch noch einen Artikel schreiben. Ich habe dafür Verständnis, wenn in hektisch verfassten Artikeln der Tagespresse nicht alles so ausgefeilt durchformuliert ist. Sogar dass sie mich in ihrem Artikel als „etwas kauzig“ charakterisiert, nehme ich ihr daher auch nur „etwas“ übel. Dass sie mir aber sehr entstellende Zitate in den Mund legt, ist jedoch eine journalistische Unverschämtheit, die ich nicht verzeihe. Mit einem durch große Schrift hervorgehobenen Satz lese ich als vermeintliches Zitat: Die meisten Leute kaufen sich Schrott für 15, 20 Euro und versauen sich so ihr Gehör.

Saloppe Formulierungen mögen auf Leser authentisch wirken und haben auf diese Weise ihre Berechtigungen. Wenn sie jedoch aus unterschiedlichen Kontexten zu einem Zitat zusammengestückelt sind, entsteht ein falscher Eindruck. Zum einen weiß ich, der mir diese Aussage angedichtet ist, ja überhaupt nicht, was sich die meisten Leute kaufen, also kann ich dazu auch gar keine Aussage treffen! zum anderen habe ich natürlich zur Genüge gesehen, was in Musikgeschäften, zweitweise gar bei Aldi und Lidl, als Ukulele angeboten wird. Zu Forschungszwecken habe ich dergleichen tatsächlich einmal erworben - und anschließend wieder zurückgebracht.

Dass man mit miserabel klingenden Exemplaren von Instrumenten ein noch ungeübtes Gehör nicht verfeinern wird, versteht sich von selbst. Ich bezeichne derartig minderwertige Produkte zwar salopp als Schrott und sage auch, dass man sich damit das Gehör versaut, aber all dies in einen frei erfundenen Satz zu verpacken, stellt mich als arroganten Pinsel dar, für den nur das Beste und Teuerste gut genug sei. Mein Anspruch an ein Instrument resultiert aus Jahrzehnten musikalischer Erfahrung - auch mit anderen Instrumenten wie Gitarren und Mundharmonikas. Meine Kritik richtet sich einzig auf die miserable Qualität der überwiegend aus China importierten Ukulelen, die ahnungslosen Kunden in den meisten Geschäften, aber auch im Internet, angedreht werden. Ich führe auf meiner Webseite ausführlich aus, worauf man beim Kauf einer Ukulele achten sollte. Das ist Aufklärung, aber keine Verhöhnung ahnungsloser Käufer.



Der Fotografierer

Inzwischen trifft der Mann ein, der die Fotos machen soll - ein Herr deutlich reiferen Alters, nennen wir ihnMatthias Rietschel, denn unter diesem Namen lässt er seine Fotos veröffentlichen. Er hat etliche große Stative und jeder Menge professionell wirkender Ausrüstung dabei. Bevor er zur Tat schreitet, schaut er sich gründlich in meiner kleinen Stube um. Er will sich, so sagt er, Gedanken machen, wie und wo er mich gut ablichten könnte. Selbstverständlich habe ich auch schon konkrete Vorstellungen, wo und wie sich in meiner kleinen Stube ein Foto arrangieren lässt, denn hier sind schon viele gelungene Fotos und Videos entstanden - und das mit weniger Ausrüstung. Aber ich halte mich zunächst zurück, damit er selbst seine Idee finden kann.

Da ihm mein durchgesessenes Sofa als passendes Ambiente erscheint, muss die Jungreporterin auf den durchgesessenen Sessel ausweichen, den sie in ihrem Artikel als „Ohrensessel“ beschreibt. Nun ja, es ist ein Ohrensessel ohne Ohren, sei’s drum. Ich schlage schließlich meine bevorzugte Kulisse vor: den Vorhang, vor dem ich den anderen "Ohrensessel" und mich selbst platzieren will - mit vielen von mir umarmten Ukulelen im Vordergrund. Die Farben sind bereits aufeinander abgestimmt: Ich trage ein schwarzes Hemd, sitze in einem elfenbein-weißen Sessel vor einem bordeaux-roten Vorhang - Kontraste, die sich bereits bewährt haben.

Der Fotografierer greift die Idee dann auch auf - dazu muss alleridngs mein betagter iMac aus dem Wege, das einzige Inventar, das - so erwähnt die Reporterin in ihrem Artikel, nicht richtig zu den Holzmöbeln passe. Und sie beschreibt den alten Computer als Monitor? Nun gut, von Computern hat sie also auch keine Ahnung. Muss sie auch nicht haben, nur sollte sie dann eben auch nicht über den vermeintlichen "Apple-Monitor" schwadronieren.

 
Eine doppelbödige Langhals-Sopranukulele hatte es dem Fotografierer besonders angetan. Vielleicht hat sein fotografischer Blick das Spezielle erkannt, vielleicht waren auch meine Erläuterungen hilfreich. Neben der ganzseitigen Abbildung des Instrumentes findet sich die völlig sinnlose Bemerkung: "Eine Ukulele, 'made in Germany', auf die Alexander Wandrowsky schwört."

Ehrlich gesagt schwöre ich nicht einmal auf den Spazierstock meiner Großmutter - warum sollte ich auf etwas schwören, nur weil darauf steht, dass es "made in Germany" sei? Was will das für den Text verantwortliche Personal den Lesern damit mitteilen? Ich muss bei der Gelegenheit einmal klarstellen, dass ich zu der Minderheit gehöre, die grundsätzlich allein für das einsteht, was man selbst auf die Beine gestellt hat! Bei genauerem Blick auf die dezent angebrachte Brandmarke wäre dem Personal ein Detail aufgefallen - es mag nebensächlich sein, aber es heißt dort: Made in W.-Germany. Die Reporterin weiß trotz meiner Erläuterungen nichts Substantielles über das Instrument zu schreiben - also schreibt sie Unsinn und gibt den als Zitat aus.




Die Leseratte


Während der Fotografierer Hunderte Fotos von mir und meinen Ukulelen macht, blättert die junge Reporterin in einem Taschenbuch, das ich erst eine halbe Stunde vor ihrem Besuch aus einem örtlichen Buchladen abgeholt und dann auf meinen Lesetisch am Fenster gelegt hatte. Der Titel des von Rüdiger Safranski geschriebenen Buches lautet: „Nietzsche. Eine Biografie seines Denkens“. Gleich auf der ersten Seite bemerkt die Reporterin staunend, dass es da auch um Musik geht… Da können Sie mal sehen, antworte ich ihr: Vielleicht finden Sie ein gutes Zitat…


Sie betrachtet das Buch und fragt mich, ob ich „Nietzsche-Fan“ sei. Ich antworte, dass ich in jungen Jahren einige seiner Schriften gelesen habe und jetzt gespannt bin, wie ein von mir wegen seiner anderen Bücher geschätzter Autor Nietzsches Denken ordnet. In ihrem Artikel wird daraus: Früher sei er großer Nietzsche-Fan gewesen... Heute schätze er eher den Biografen Safranski. Was für ein gequirlter Unfug!

1) Man kann „Fan“ von Madonna oder Lady Gaga sein, aber doch bitte nicht von einem Philosophen! Philosophie, Frau Reporterin, ist die Liebe zum Wissen! Das ist geradezu das Gegenteil von Personenkult. 2) Rüdiger Safranski ist nicht der Biograf von Nietzsche! Die Reporterin hat also noch nicht einmal den Titel des Buches verstanden. 3) Früher "eher" Nietzsche und heute „eher“ Safranski? Was für ein Unsinn! Wann fängt sie endlich einmal an, etwas zum Thema Ukulele zu fragen?
 

Es gibt die verschiedensten Ukulele-Stimmungen. Jene, die sie in ihrer Fußnote mit "A-D-F-H" angibt, ist mir unbekannt - vermutlich handelt es sich dabei um eine unbeabsichtigte Eigenschöpfung. Sie weiß also noch nicht einmal über die Standardstimmungen des Instrumentes Bescheid, über das sie schreibt! Dabei wollte sie originell sein - erläutern, das die Initialen ihres Textes kein Zufall sind. Nicht einmal das hat sie recherchiert! - Sie kann sich nicht für meine Gastfreundschaft, für mein Entegegenkommen, für ein Geschenk bedanken. Sie kann keine Interviews führen. Sie hat nicht die Kompetenz, Artikel über Möbel, Computer oder Ukulelen zu schreiben - und spielen kann sie das Instrument schon gar nicht... Muss sie ja auch nicht können. Nur sollte sie dann auch nicht so tun, als könnte sie es.

Als ich am Abend die ersten Seiten meines neuen Buches lese und zu verstehen beginne, was die junge Frau beim Blättern in den ersten Seiten fasziniert haben könnte, fotografiere ich ihr diese ersten Seiten und schicke sie ihr als Email-Anhang - damit sie ihren Text bei Bedarf mit ein paar prominenten Zitaten verzieren kann. Tatsächlich hat sie diese Zitate als Pointe in den letzten Absatz ihres Artikels eingebaut - allerdings auf eine Weise verwendet, mit der sie sich selbst als belesene Reporterin ausgibt, aber mich als einen Mann hinstellt, der gerade eben erst anzufangen scheint, nach Antworten über den Sinn des Lebens zu suchen! Das ist wirklich ungeheuerlich.



Und jetzt mal Butter bei die Fische

Ich lese seit einem halben Jahrhundert, alles was mir interessant vorkommt. Von Homer bis Hesse, von Platon bis Sloterdijk - ich habe keine Berührungsängste mit Literatur jeglicher Art. Und wenn es von seltenen Fremdwörten noch so wimmelt, es gibt gedruckte und digitale Wörterbücher - und ich nutze sie. Und dann kommt eine junge Reporterin, die einen Computer nicht von einem Monitor unterscheiden kann, dafür so wenig Wissen über Ukulelen hat, dass sie eine ganze große Zeitungsseite zum Thema Ukulele mit lauter Blödsinn über Holzmöbel und Ohrensessel füllen muss, um ihren Lesern zu denken zu geben, "ob Alexander Wandrowsky die Antwort für sich schon gefunden hat!" Die Antwort auf was? Auf das Wesen der Musik? Auf den Sinn des Lebens?

Die einzige geistreiche Passage, welche die Mitzwanzigerin in ihrem gesamten Text unterbringt, sind Zitate, die sie einem Buch von meinem Lesetisch entnehmen hat - von Seiten, die ich für sie gescannt und ihr gemailt habe - in einer Email, auf die sie nicht die geringste Erwiderung schickte, kein Wort des Dankes! Zitate, die sie letztlich verwendet, um mich als jemand hinzustellen, der gerade erst anfängt, wichtige Fragen des Lebens für sich zu ergründen? Ich habe meinen Weg gefunden hat, als diese Reporterin noch gewindelt wurde. Was für ein anmaßendes Weib! Diese überheblich Tussi schreibt für die größte Tageszeitung Sachsens. Was für ein Wurschtblatt muss das sein, das es nötig hat, eine so unqualifizierte Reporterin zu beschäftigen!



Ist ein Akkordeon das kleinere Brüderchen der Orgel?

Die Ignoranz dieser Reporterin ist einfach überwältigend. Ein Interview zum Thema Ukulele, in dem keine einzige Frage zum Instrument gestellt wird, um das es eigentlich gehen soll, das muss man erst mal hinbekommen! So ziemlich alles, was sie in ihrem Artikel über das Instrument textet, ist fehlerhaft und klischeehaft dargestellt. Schon im Untertitel ist von der „kleinen Schwester der Gitarre die Rede. Wenn das so wäre, ist dann ein Akkordeon das kleinere Brüderchen der Orgel?

 
Das Beste am Artikel ist eigentlich der Titel: Willkommen in Ukulelestan. Doch diesen Slogan samt der Wortschöpfung Ukulelestan hat sie von meiner Internetseite übernommen. „In Dresden lebt der wohl größte Fan der Ukulele - und ihr strengster Kritiker“ heißt es im Untertitel! Woraus folgert die Reporterin eigentlich, ob ich „der wohl größte Fan“ und „ihr strengster Kritiker“ sei?

Richtig ist, dass ich mich mit dem Instrument einige Jahre länger und - berufsbedingt - auch intensiver als der ihrerseits erwähnte „Mainstream“ beschäftige. Die Ukulele wird von mir überhaupt nicht kritisiert, sondern lediglich die miserable Qualität dessen, was in vielen Geschäften als Ukulele angeboten wird. Das aber ist eine Kritik am Handel, dem es nur um den Umsatz geht und der dazu Instrumente verkauft, die ihren Besitzern keine Freude machen werden - es ist mitnichten eine Kritik der Ukulele!



Resümee

Dass ich nach dieser Geschichte wenig Bock auf weitere Begegnungen mit Vertretern der Schwindelpresse habe, dürfte verständlich sein. Aber man soll ja nicht alle Reporterinnen und Fotografierer über einen Kamm scheren - und das tue ich auch nicht. Ich bin weiterhin sehr aufgeschlossen für Interviews zum Thema Ukulele. Allerdings bestehe ich dann darauf, dass die Fotos von jemand gemacht werden, der einen Gewissen Sinn für Ästehtik hat. Das Gespräch mit mir kostet künftig 50 Euro - pro Minute, versteht sich. Zu zahlen im Voraus.

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