vom Schwarzwald zum Wienerwald





Jeder Fluss hat eine Quelle, nur die Donau nicht...
Die hat gleich zwei. Bei Donaueschingen vereinigen sich jedenfalls die Brigach und die Breg zu einem Fluss - und der heißt ab dieser Vereinigung eben Donau. Weil sie etwas länger ist, beansprucht die Breg den Titel Quellfluss. Einverstanden, die Moldau hat auch zwei Quellflüsse. Doch für die Donau könnten weitere 15 Quellen Anspruch erheben, die eine und wahre Quelle zu sein. Von unterirdisch fließendem Regenwasser aus dem Schwarzwald gespeist, wären sie alle gleichberechtigte Kandidaten.
Der römische Feldherr Tiberius, so überliefert Strabon, habe im Jahre 15 vor Chr. eine dieser Quellen entdeckt. Als späterem Kaiser stand es ihm zu, diese seine Quelle zum Ursprung der Donau zu erklären. Doch was hat schon Bestand in unserer Welt, was außer der Ungewissheit?

Um 1584 entschieden die damaligen Besitzer der Stadt Eschingen, das in ihrem Schlosspark entspringende Rinnsal sei der Donaubach, die eine und wahre Quelle der Donau. Wegen der Zweifel über den Ursprung wurde die Donau - im Gegensatz zu anderen Flüssen - von der Mündung an vermessen, aber auch die schiebt sich dank jährlichen 150 Millionen Tonnen Schwemmmateriel immer weiter ins Schwarze Meer hinaus. Aller Streit um den Anfang könnte aber schon in gar nicht allzu ferner Zukunft durch ein geologisches Phänomen namens
Donauversinkung komplett überflüssig werden, das heißt eigentlich "unterflüssig"... Denn ein Teil dessen, was ab Donaueschingen Donau genannt wird, strömt seit einigen Jahrhunderten durch unterirdische Höhlensysteme und taucht als Quelle der Aach 12 Kilometer südlich wieder auf, fließt weiter in den Bodensee, der seinerseits in den Rhein entwässert. Im vergangenen Jahrhundert nahm dieser Prozess, der durch den wasserlöslichen Kalksteingrund bedingt ist, stark zu. Eines Tages wird die junge Donau komplett in diese Unterwelt absickern - und damit letztlich zum Nebenfluss des Rheins. Dadurch könnten dann erst die nach der heutigen Donauversinkung einströmenden Zuflüsse den Anspruch auf den Titel Quellfluss erheben - oder zurückerwerben, etwa die Altmühl, durch deren heutiges Tal die Ur-Donau bereits vor Jahrmillionen strömte. Nichts bleibt, wie es ist - panta rhei. Um so erstaunlicher: Derartig bedeutsame  geologische Veränderungen vollziehen sich nicht nur über den Zeitraum erdgeschichtlicher Epochen, sondern mitunter innerhalb historisch überschaubarer Zeitabschnitte. Ein Jahrtausend, erdgeschichtlich nur ein Wimpernschlag, kann genügen, den Verlauf eines großen Flusssystems umzulenken. Also, nichts wie hin! An die schöne braune Donau, so lange sie noch fließt, wo sie gerade fließt...

Donaueschingen. Am Ausgangspunkt einer Donau-Radwanderung gibt es erwartungsgemäß einen Radladen. Am Vorabend meiner Abreise, beim Festziehen der Radmuttern nach dem Kettenspannen, drehten beide durch. Deshalb frage ich hier nach Ersatz. Die Verkäferin verlangt einen Euro - pro Radmutter. Ist eine simple Radmutter wirklich so teuer? Alle wie viele Jahre kauft jemand Radmuttern, um den Preis infrage stellen zu können? Nicht die Nachfrage, sondern die Ungeniertheit des Marktes bestimmt den Preis.
In Anbetracht des Umstandes, dass diese kleine Stadt es nötig hatte, sich zum Ursprung der Donau zu  erklären, mag auch die Raffgier einer freundlich lächelnden Verkäuferin verständlich werden. Vom Tisch eines Straßencafé ruft mir ein Einheimischer zu: Wohin? An die Donau, antworte ich. Das wird er sich wohl denken können... Nach Wien, ergänze ich. Als Geste der Anerkennung streckt er den Daumen hoch - Vorschusslorbeer. Wie viele Radwanderer starten hier täglich ihre Tour? Der einzige bin ich jedenfalls nicht. Fragt er die anderen auch nach ihrem Weg?

Juli 2014. Ausgerechnet in dem Sommer, da ich meine Donauwanderung im Schlosspark in Donaueschingen beginne, wird der prunkvolle Quellbrunnen von Grund auf saniert. Die Baustelle ist von keiner Seite einzusehen, nur dank eines kurzzeitig unverschlossenen Zuganges gelingt mir der Blick auf das Fundament der Brunnenfassung. Die Skulptur, welche "Mutter Baar" verkörpern soll, wie sie der "jungen Donau" den Weg weist, wird derweil andernorts restauriert.

Ich finde meinen Weg - auch ohne mütterliche Wegweisung. Der wahrscheinlich längste Radweg der Welt führt mich von nun an rund tausend Kilometer an jenem Strom entlang, der Europa in der Antike in einen "zivilisierten" Süden und einen "barbarischen" Norden teilte, spätere Armeen überquerten die Donau tausendfach. Ich hatte mich eingelesen, doch ich will nicht den Pfaden der Weltgeschichte folgen. Ich erquicke mich, den Schmetterlingen gleich, an der Flowerpower des Wegesrandes.


Der Donauradweg führt zunächst durch die Baar, eine Hochebene zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb, teils schnurgerade. Wohlgemeinte Ratschläge warnten mich vor meiner Reise, der "Klassiker aller Radwege" sei von Horden trödelnder Elektro-Bikes okkupiert... Tatsächlich begegne ich nur vereinzelten Sportradlern, über den Tag verteilt ein Dutzend schwer bepackte Fernstreckenradler, darunter drahtige Senioren, junge Pärchen, Familien - mit Kind im Anhänger. Die vermeintlich schleppende Radlerkarawane erweist sich als wohlfeiler Mythos. Wer denkt sich sowas aus und wozu? Damit lassen sich Verkehrslärm, Abgaswolken, Staus und schweren Unfälle auf den Autobahnen ausblenden. Und sogar vor Ort auf der Strecke werde ich noch gewarnt. Zwei Hippie-Seniorinnen erklären mir, spätestens mit Beginn der Ferien in Bayern hätte ich mich auf "Hunderttausende" radelnder Großfamilien einzustellen. Auch das bewahrheitet sich nicht. Vielleicht sollte ich dennoch nicht so viel Reklame machen?

Zwischen Immendingen und Tuttlingen ist an über 150 Tagen im Jahr ein trockenes Flussbett zu sehen, dann ist nur das Glucksen in sogenannten Schlucklöchern zu hören. Doch nach mehreren heftigen Gewittergüssen strömen die schlammigen Fluten durch die etwa 12 Kilometer lange "Durststrecke" der Donauversinkung. Selbst bei eitel Sonnenschein zeigt die Donau dann keinen blauen Schimmer - das schmälert den Reiz der Landschaft nicht im geringsten.

In den zahlreichen Flussauen, wo Regen, Grundwasser und überschappende Donaufluten kleine Seen bilden können, schimmert auch einmal das Blau des Himmels auf dem Wasser. Endemische Vorgelarten finden ihre Refugien. Im Gegensatz zur frechen "Stadtente" haben die scheuen "Wildenten" noch gesunden Entenverstand. Der zeigt sich auch darin, wie sie dem verharrenden Radler das Nahfoto vermasseln, in dem sie sich zügig aus dem "Schussfeld" entfernen...


Donaudurchbruch bei Beuron. Nahe dem Gasthof Jägerhaus ragen zu beiden Ufern imposante Kalksteinfelsen in den blauen Abendhimmel. In den schattigen Tälern "durchbricht" der Fluss das im Oberjura aus ozeanischen Sedimentablagerungen hervorgegangene Gebirge. Von der lärmenden Welt hinter den sieben Bergen ist in dieser Märchenlandschaft nichts zu ahnen - nur über fein geschotterte Waldwege und manche Steigung gelangt man in dieses letzte Paradies im übersiedelten Industriestandort Deutschland. An Orten wie diesen bewahrt die Donau die Mystik der Ewigkeit, obgleich doch gerade ein Fluss - panta rhei - Sinnbild von Verwandlung und Vergänglichkeit sein muss.


Anfangs fotografiere ich jede Burg doppelt und dreifach, doch ungezählt bleiben die Festungen und Ruinen, über tiefen Felsschluchten thronend, und aus jeder Richtung öffnen sie neue Eindrücke, werfen sie andere Schatten. Bald gibt der Fotograf in mir auf und überlässt dem andächtigen Staunen den Vortritt. Was ist schon ein Foto gegen das Innehalten! Ein starrer Ausschnitt, leblos ohne das Rauschen von Wind und Fluss, ohne den Duft der Wiesen und Wälder. Und doch vermag solch Bild ein Leben lang die Minuten erinnern, da man tief durchatmete und allen Verdruss des Alltages abstreifte, da man hinaufblickte zu jenem hohen Horzont und sich zugleich auf dem Gipfel des Berges wähnt, da man sich sagt: Hier darf ich Mensch sein - und niemand ist da, den das stört.

Eine 20-prozentige Steigung ist selten; hat man sie geschafft, nimmt man die gereimte Einladung zum Verschnaufen gern an. Dort komme ich mit einer drahtigen Pensionärin aus Neuseeland ins Plaudern, ich übersetze ihr die Verse ins Englische. Auch für sie ist der Weg das Wesentliche, nur die Zeit begrenzt ihre Ziele. Vor den Bissen herumstreundender Hunde in Asien schützt sie sich mit einer LKW-Hupe! Angesichts derartigen Equipments und solch interkontinentaler Radtouren komme ich mir wie ein Anfänger vor...

Und Anfänger bin ich so oder so... Im Frühling eine Woche an der Unstrut, durch Thüringen und Sachsen geradelt, na gut, wenig Erfahrung ist besser als gar keine. Und immerhin, was steile Steigungen betrifft, so hatte mein Zweirad-Debüt durchaus auch einiges Anspruchsvolles zu bieten. Worin ich manche Übung mehr habe, ist Lust und Leid der Einsamkeit. Anfangs forderte ihre Macht, die Zeit zu dehnen, meinen Respekt ein, doch beim Lesen eines Buches wusste ich ihr Schweigen immer schon zu schätzen. Mit den Jahren kommt sie auch ohne Einladung - und immer öfter zu Besuch. Doch sobald man erkennt, wieviel Zoff und Gezänk sich an der Seite dieser stillen Gesellin vermeiden lässt, will man keine andere mehr. Sie fällt dir nie ins Wort, lässt dich deine Gedanken zu Ende denken. Nicht nur, aber gerade auch auf Reisen wird dir klar, dass kein einziger Sonnenuntergang schöner wird, nur weil irgend jemand neben dir hockt und sagt: Schau mal, was für ein schöner Sonnenuntergang!


Vor Ulm: Die Donau nimmt langsam die Gestalt eines großen Flusses an, Seerosen blühen auf dem trägen Gewässer, dichter Schilf an den Ufern bietet Schutz vor Angelstrippen, gebietet der Plansch- und Badelust Einhalt. Hier gehört die Donau noch den Vögeln und Fischen allein. Wenn sie doch wüssten, welches Priveleg sie hier genießen. Zu friedlicher Zeit am friedlichen Ort zu sein - und bleiben zu dürfen! Wer unter Menschen ist frei genug, sich seinen Platz zu wählen? Warum begnügen sich so viele mit dem Tümpel ihrer Herkunft?




In Ulm: Das gotische Münster (höchster Kirchturm der Welt) und postmoderne Architektur, Seccomalerei an den mittelalterlichen Rathausfassaden, ein bisschen Venedig und viel deutsche Fachwerkidylle - nicht nur an baulichen Kontrasten hat die alte Universitätsstadt vor den Toren Bayerns einiges zu bieten, ein buntes Völkergemisch aus Studenten und Touristen trifft sich abends an den Bänken der langen Uferpromenade. Teenager üben sich im gegenseitigen Nachäffen.


Um Ulm herum: Noch ist der Fluss nicht schiffbar, doch ein Damm, auf dem der fein geschotterte Radweg hier verläuft, macht klar, dass die Donau gelegentlich mehr Breite sucht, als Menschen ihr zugestehen wollen. Wie an der Elbe, so überschwemmten die Fluten der Hochwasser von 2002 und 2013 auch hier ganze Dörfer und Stadtteile, und öfter noch!

Marxheim: "Im Jahre 1865 wurde über d. Donau eine Brücke aus Holz erbaut", verkündet die Gravur am einstigen Fährhaus, 1898 durch eine "Eisenkonstruktion" ersetzt. Wurde die im Krieg zerstört? Oder weshalb sind die auf einer Holztafel noch erkennbaren Fährpreise in Reichsmark angegeben? Für Fuhrwerke: "Einspänner -,80 RM, Doppelgespanne 1,80 RM". Eine graue Betonbrücke lässt heute alles rüber. Der im Radführer eingezeichnete Zeltplatz an der Mündung des Lech existiert nicht mehr, die "Bruckwirtschaft" ist belegt, doch eine Radlerpension bietet preiswerte Souterrain-Zimmer, Frühstücksbuffet und lieblich platzierte Binsenweisheiten inklusive: "Wer die kleinen Dinge im Leben schätzt, hat den wahren Weg zum Glück gefunden."

Auf der Gießkanne lese ich die Mahnung: "Ein Garten entsteht nicht dadurch, dass man im Schatten sitzt." Richtig, aber das ist sein höherer Zweck und den darf ich als Aktivurlauber bei einem erfrischendem Bier genießen. Die freundliche Wirtin serviert es mir prompt und empfiehlt, nach der langen Pedaltreterei sei eine andere Bewegungsart, die Fußwanderung, durchs Dorf sicher eine entspannende Abwechslung. Auch damit trifft sie ins Schwarze.






Beim Spaziergang durch Marxheim fallen mir zahlreiche Transparente auf. Der Protest gegen neue Stromtrassen dürfte sich nach meinem Empfinden nicht nur gegen die Landschaftsverschandelung richten. Das laute Knistern der Hochspannung bereits vorhandener Leitungen ist angsteinflößend genug - bei jeder Unterquerung ist mein Motto: Augen zu und durch, so schnell es geht! Braucht die "Energiewende" neue Stromtrassen? Ja, aber nur solange sämtliche Parteien dieser Republik daran festhalten, Glück und Wohlstand aller Bundesbürger hinge einzig davon ab, dass die Farbiken dieses Landes den Rest der Welt mit immer neuen Autos, Lastern und Panzern versorgen...

Dennoch muss ich gestehen, dass meine neue alte Radlerseele beim Anblick dieses gepflegten Gebrauchtwagens noch einiges an Gleichmut dazulernen kann...


Unberührte Natur gibt es in Westeuropa nirgends mehr. Doch einige Auen und Riede werden zu Natur- und Tierschutzgebieten re-naturisiert. Das ist gut so. Denn es erhält die Hoffnung, es ließen sich auch für Menschen ein paar Orte re-humanisieren. Einigen Naturfreunden begegne ich an diesen grünen Oasen. Ich gelange dennoch zu der Einsicht, dass die allermeisten Radler, nur weil sie hier draußen im Grünen eine bestimmte Bewegungsart mit mir teilen und zu einem zufälligen Zeitpunkt an einer zufälligen Stelle meinen Weg kreuzen, noch lange nicht eines Geistes Kind mit mir sind. Gibt es das überhaupt, eines Geistes Kind?


Neuburg: Vom linken Donauufer aus gesehen ragen nur die höchsten Türme der Altstadt über die Baumwipfel, doch beim Überqueren der Donaubrücke öffnet sich der Blick auf die Burg und verwinkelte Gassen. Oben auf dem Karlsplatz, rechts der barocken Stadtbibliothek, erfreuen sich Augen wie Ohren am Wasserspiel eines Brunnens - und mancher Männergaumen kostet an diesem Sonntagvormittag schon den Schaum eines Hefebieres, sei es nach oder ohne vorherigem Kirchgang. Gerade hatte ich mich an den würtembergschen Zungenschlag gewöhnt, nun muss ich mein Gehör aufs Bayrische umstellen - grias Good.

Ingolstadt hat sich herausgeputzt. Für ein Stadtjubiläum? Nein, da müsste mehr Gedrängel in der Fußgängerzone herrschen. Alles sammelt sich im mittelalterlichen Zentrum. Warum? Zum Mittelalterfest, darum! "Vier Taler" Eintritt verlangt eine üppig geformte Bauernmagd, und zwei Rittersleut, deren Kettenhemden über dem Bauch etwas spannen, kontrollieren den Eingang. Über eines scheinen sich die Schausteller einig zu sein: Schlüfrige, zotige Kommentare sind das Salz in der Suppe des Mittelalters. Kaum ist das Volk der digitalen Scheinwelt heimischer Flimmerkisten entkommen, schon lässt es sich in die nächste Illusion eintunken - wer wird sich da schon an Plastikbecher und -besteck stören! Nach Umrundung der Stadt findet sich in einem kleinen Park eine alte Wasserpumpe - und die funktioniert sogar. Ich fülle meine Flaschen für den nächsten Streckenabschnitt...


Weltenburg. Wieder muss sich die Donau durch enge Schluchten zwängen. Doch den tatsächlichen Durchbruch schuf ein älteres Flusssystem, die Donau strömte in erdgeschichtlicher Vorzeit durchs heutige Altmühltal und übernahm erst später das "gemachte Flussbett" eines unbekannten Vormieters, während die Altmühl fortan in Kehlheim, quasi als "Überbleibsel der Ur-Donau", in die heutige Donau strömt. - Möge mir die Geologenzunft diese grob verkürzte Darstellung vergeben und der näher Interessierte sich anderweitig schlau machen.


Benediktinerabtei Weltenburg: Mönche verstanden es schon immer, sich für ihre Klausen schwer zugängliche Orte auszusuchen. Zwei iro-schottische Mönche gründeten im frühen 7. Jahrhundert ihr Refugium an einer Stelle, wo zuvor schon die Legionäre Roms Befestigungen errichteten - auch prähistorische Siedlungsreste wurden beim heutigen Kloster gefunden. Von den Felsspitzen herab überspannten wahrscheinlich Seilbrücken den Fluss. Die heutigen Mönche machen ihrem Credo "Ora et labora" alle Ehre und haben sich dabei nicht nur auf Übernachtungsangebote für arme Pilger eingestellt. Ein großer Biergarten im Innenhof bietet den Tagesausflüglern alles, was die Pensionärszunge nach der anstrengenden, 20-minütigen Schiffspassage begehrt. Doch abends, nach sieben, schlürfen die (angestellten) Kellnerinnen ihr eigenes Gläslein Wein. Der dürstende Radlergaumen bleibt trocken. Hunger und Durst können aber in der Klosterschänke des nahen Dorfes gestillt werden, dort ist auch das Nachtquartier um einiges günstiger. An den Tischen lebhafte Skatrunden, zwei gesetzte Radlerpaare ergötzen sich gegenseitig im - sagen wie mal - "Erfahrungsaustausch". Die Thai-Masseuse nickt vor dem Fernseher ein, ihr Thai-Studio ist gleich nebenan, mein Zimmer eine Treppe höher.

Ob es schon zu Zeiten der frühen Besiedlung Hochwasserspitzen gab, wie sie ab Mitte des 19. Jahrhunderts belegt sind? Die Marken an der Klostermauer zeigen, dass hier 1845 und 1999 deutlich höhere Pegelstände gemessen wurden, als das mediale Gedächtnis über jüngere "Jahrhundertfluten" glauben macht.


Anlegestelle am Kloster Weltenburg. Kurz nach 9 Uhr entlädt das erste Schiff aus Kehlheim die erste Ladung Altersheim. Zwei fröhliche ältere Herren immitieren das Nagnag einer Ente, und dann immitieren 20 belustigte ältere Damen die beiden fröhlichen älteren Herren. Die verwirrte Ente schwimmt Achten. Zur vier Kliometer langen Schiffspassage gibt es keine echte Alternative. Während rechts der Donau nur eine stark befahrene Landstraße über den hohen Eichberg führt, ist der Pfad am linken Ufer teilweise überlutet, mit dem Rad gänzlich unüberwindbar sind die Stufen bei den Felsen. - Und was würde man ohne die gemächliche Schiffspassage verpassen! Wissenswertes über "Napoleons Koffer" zum Beispiel (ein mit etwas Fantasie irgendwie rechteckiger Felsbrocken), den habe der General bei seiner hektischen Flucht dort stehenlassen müssen, weiß die Tonbandspule, die sich als Kapitän ausgibt.

Majestätisch thront der klassizistische Rundbau der Befreiungshalle auf dem Michelsberg bei Kehlheim. Bayerns König Ludwig I. ließ das weithin sichtbare Denkmal zum Gedenken an den Sieg der "Teutschen" über Napoleon errichten. Nach zwei Jahrzehnten Bauzeit wurde es 1863, zum 50. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, eingeweiht. Der beschwerliche Anstieg mit dem Rad und der zu erwartende Besucherandrang halten mich von der Besichtigung des imposanten Baus ab. Dadurch entgeht mir der Einblick in das beeindruckende Innere des Bauwerkes ebenso wie der Ausblick auf das Landschaftspanorama, das sich vom Donaudurchbruch zum Altmühltal hinüberzieht, so belehrt mich im Nachhinein der virtuelle Rundgang.

In Regensburg (Blick von der Steinernen Brücke zum Dom) errreicht die Donau ihren nördlichsten Punkt, gleich zwei der nördlichen Zuflüsse fließen ihr hier zu, am westlichen Stadtrand die Naab und nördlich des dicht bebauten Inselstadtteils Stadtamhof mündet der Regen ein - der Fluss, der sich wie jeder andere mit Regen füllt, seinen Namen aber aus dem Lateinischen bezog, als Rom hier einige Regenten regieren ließ...

Die Klosterkirche St. Mang beherrscht den Stadtteil Stadtamhof auf der Donauinsel Oberer Wöhrd, die ich quere, um am nördlichen Ufer dem Radweg nach Donaustauf zu folgen. Radler, Skater, Inliner teilen sich Wege und Brücken, mutige Jünglinge erklimmen das Brückengeländer und lassen sich - von gleichaltrigen Mädchen ermutigt - beim Sprung in die Donau bejubeln.

Einige Kilometer hinter Donaustauf wird ein weiterer Monumentalbau aus Ludwigs Regierungszeit sichtbar. Mit diesem Prachtbau wollte der Bayernkönig jene Heroen des Geistes verherrlichen lassen, die nach seiner Vorauswahl durch Werke "teutscher Zunge" dem Zusammenhalt der Nation förderlich geworden seien. Zur Vorgeschichte des patriotischen Aufbruchs gehört der Zusammenbruch des heiligen Römisches Reiches, der durch Napoleon initierte Rheinbund, der das Königreich Bayern überhaupt erst begründete und dem sich Ludwigs Vater Maximilian I. zu fügen hatte, indem er an französischer Seite gegen Preußen und dessen Verbündeten Russland ziehen musste.




Walhalla: Nähert man sich dem Bau, lässt sich erkennen, wie sehr den Architekten Ludwigs der Partheon Pate stand. Da dem König für seinen Ruhmestempel an Autoren "teutscher Zunge" gelegen war, vermisste Heinrich Heine zur Einweihung, am 29. Jahrestag der Völkerschlacht, die Büste Matin Luthers, vielleicht auch die eigene. Jedenfalls verspottete er die Eröffnungsansprache Ludwigs als "Walhalla-Wisch". Indess, der Spötter erhielt seinen "Marmorschädel" anno 2010 nachgeliefert. Besser spät als nie? Ob er die postume Ehre als gnädig schätzen oder sich im Grabe umherwälzen würde, wird niemand mehr ergründen können. Dass es da oben eine Imbissbude geben muss, dürfte gewiss sein. Mit dem Fernglas erkenne ich, wie die Besucher auf den Stufen der hochheiligen Gemäuer ihr Picknick halten, sogar Flaschenbier lässt sich erkennen. Doch Durst wäre das geringste Motiv, die hehren Stufen deutscher Geistesgeschichte zu erklimmen. Ich bleibe im Tal, schone meine Kräfte: Ich hab' mein' Sach' auf Nichts gestellt...





Frengkofen. Wer kennt es nicht, das Dorf am Damm, an der schönen braunen Donau. Die ist hier schon mächtig breit - hat noch den Platz, sich breit zu machen...


Nur die Dorfstraße trennt den schönsten Donaublick der Welt vom offenen Hof des legendären Gasthauses, wo einst Elvis vor quiekenden Teenies "Muss i denn zum Städtele hinaus" sang. Der Glanz vergangener Zeiten mag etwas verblasst sein, heute haben sich nur fünf gestandene Männer aus der Nachbarschaft versammelt, allerfeinstes Nuschelbayrisch - meinen Ohren Musik, so lange ich mich im Auf und Ab der Silben schaukeln lasse. Unverständlich, sobald ich es als Sprache zu nehmen versuche, aber so viel bekomme ich mit: Auch an bayerischen Stammtischen geht es, nach etwas altertümlichen wirkenden Höflichkeitsfloskeln ("Hoab die Ehre!"), doch immer ums Gleiche, ums Schmähen dessen, was begehrlich, aber unerreichbar ist.


Ein laues Windchen in der Luft zerstreut alles Gesumms der Welt, das von Mücken wie von Menschen. Und alles fließt, die Donau und das Bier. Nach dem ersten Glas verlasse ich den weißen Plastiksessel am weißen Plastiktisch, quere das Sträßchen und trinke das zweite auf der sonnengewärmten Hochwassermauer - und auch das dritte.


An den Nebenarmen der Donau entschädigen die Ruhe und der Anblick von Schwänen und anderen Outdoor-Geschöpfen für den Lärm und Gestank der Autobahn. Denn nach der Stadt Wörth, die ich wörtlich genommen links liegen ließ, zwischen Tiefenthal und Hofdorf, führte der Radweg einige Kilometer direkt an der A3 entlang. Das Schild, das die Radler im Naturschutzgebiet zur Achtung der Natur mahnt, gehört eigentlich an die Autobahn. Verkehrte Welt.
Und was fahren all diese dröhnenden Laster da umher? Sehe ich mich in Supermärkten und Kaufhäusern um, so kann ich reinen Herzens behaupten: 99 Prozent der Waren habe ich nie gebraucht. Demnach wären für mich auch die allermeisten LKW-Transporte völlig unnötig. Und all die elektrische Energie, um all die entbehrlichen Dinge zu produzieren und wieder zu entsorgen! Die müsste gar nicht erst erzeugt werden! Weder Kohlebergbau noch Kohlekraftwerk wären nötig, ganz zu schweigen von diesen irrsinnig gefährlichen Atomkraftwerken. Eine "Energiewende", die dem Begriff Wende gerecht werden wollte, müsste eigentlich eine Umkehr sein - oder doch wenigstens eine radikale Abkehr von der maßlosen Energie- und Ressourcenverschwendung der heutigen Wegwerfwirtschaft...



 
Na immerhin, in Bayern wird nicht nur an der Vegetarierfront um Fortschritte gekämpft, sondern einiges zur Förderung der Radelei getan. Reichlich vorhandene Radrouten sind bestens ausgeschildert und im Internet wird das "Bayernnetz für Radler" ausgebaut.


Während Automaten andernorts hauchdünne, transparente Schläuche feilbieten, sind hier auch die dicken schwarzen erhältlich. Besser man hat einen und braucht ihn nicht - als umgekehrt. Auch Trittbrettfahrer sollen ihre Chance haben: Gelbe Schilder werben bereits Kilometer vor der angepriesenen Adresse um Kundschaft. Leider ist die "Oase" dann nur ein schnöder Baumarktpavillon im Vorgarten einer Nebenstraße - was nicht weiter stört, denn es ist ja eh kein Personal zu sehen...

Straubing. Nach all den hübschen alten Städtelein mit all ihren hübschen alten Türmelein, derer meine hübschen alten Äugelein längst überdrüssig sind, hätte ich dieses reizende Kaff beinahe rechts liegen lassen. Doch da ich das liebliche Dörfchen Frengkofen ohne Frühstück verlassen hatte und die Pondorfer "Oase" nur eine leere Versprechung blieb, so knurrte mein Magen sein Recht auf eine Mahlzeit nun um so lauter ein. Eine innere Stimme sagte mir: Wo es so viele hübsche Dächer gibt, muss sich die Einkehr lohnen. Manche Entscheidung trifft der Bauch und nicht das Hirn, wahrscheinlich gar die meisten - oder doch die nachhaltigsten.

Die Versuchung ist groß, aber NEIN! Mag der Radwanderweg ins hübsche Labertal noch so verlockend sein, ich bleibe hart und lasse mich nicht vom Weg abbringen. Mein Entschluss, die hübsche Stadt Straubing zu besuchen, steht wie der Fels in der Brandung.



 

Und ich werde nicht enttäuscht. Die Auswahl an Cafés ist überwältigend, und gleich vom Frühstückstisch aus lassen sich die schönsten Sehenswürdigkeiten dieser hübschen kleinen Stadt in Augenschein nehmen.


Auf meine Frage zum Anlass des bunten Trachtenreigens erwägt der Kaffeeschlürfer vom Nebentisch das nahende Pressefest eines lokalen Boulevardblattes. Sososo... Fast jedes Straubinger Schulmädel soll sich an diesem Dienstagmittag also zum Tragen altmodischer Kleider veranlasst sehen, nur weil ein örtliches Tratschblatt am Wochende ein Fest feiert? Meine Skepsis sagt mir: Es muss einen aktuelleren Anlass geben. Morgen beginnen in Bayern die lang ersehnten Sommerferien, eben war Zeugnisausgabe, verrät mir ein Mädchen. Das mag hier in traditioneller Kleiderordnung zelebriert werden, hindert aber auch nicht am Tragen schicker Adidas-Umhängetaschen - und schon gar nicht am stummen Gezwitscher mittels Smartphone.


Idyllisch... Ob die Besitzer dieser Hütte an die Schwärme von Mücken gedacht haben, die dem Tümpel an windstillen Sommerabenden entsteigen? Da fallen mir William Faulkners "Moskitos" ein. Ich erinnere mich, dass ich die Erzählung vor 30 Jahren mit großem Vergnügen gelesen habe - aber was fällt mir an Handlung ein? Verdammt wenig im ersten Moment, peu à peu erinnere ich das Milieu der Handlung: 1920er Jahre, Südstaaten-Bohème, auf einer am Mississippi-Ufer dümpelnden Yacht, von blutgierigen Mückenschwärmen gepiesackt, langweilen sich mehr oder minder versnobte Möchtegerns, lästern über ihre wohlhabende Gastgeberin und Mäzenin, und hinterm Rücken der jeweils anderen Partygäste gegenseitig über sich. Vielleicht ist das ja schon die Pointe, die Zeitlosigkeit von Eitelkeit und Neid - sofern das nicht ohnehin einundasselbe ist: die allseits beliebte Selbsterhebung durch Erniedrigung anderer. Einzelheiten oder den tieferen Sinn der Story spuckt meine Speicherkarte gerade nicht raus, doch die Quintessenz könnte längst in meinem eigenen Lebenswandel aufgegangen sein. Wer sich über die wohlwollende Meinung anderer definiert, muss heucheln, kuschen, schleimen, tratschen. Niemand ist anderer Meinung als ich? Wunderbar! Nur ich selbst kann mir die Schuld geben, falls ich etwas vermasselt habe - falls ich etwa vergessen hätte, Antibrumm zu besorgen, das ultimative Kampfgas gegen Mückenangriffe. Habe ich aber nicht! Immer griffbereit an der Sattelstange! Und eine Reserve noch im
Rucksack!


Niederalteich ist nah am Wasser gebaut, doch die cleveren Benediktinermönche, die den Ort im 8. Jahrhundert begründeten, suchten sich für ihr Kloster den höchsten Platz aus und nannten das Drumherum Altaha. Das bedeutet so viel wie Altwasser und könnte auf all die umherdümpelnden Bächlein gemünzt gewesen sein. Heutige Zierde des Dorfes ist die im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts vollendete barocke Basilika.


"Hochwasserschutz nicht auf die lange Bank schieben!" fordert ein Zettel an der langen Bank... Die steht auf dem Deich und verspricht für heute einen ruhigen Donausonnenuntergang. Doch wie alle Gemeinden an diesem Flussabschnitt hat Niederalteich einschlägige Hochwassererfahrung. Das letzte vom Juni 2013 steckt den Anwohnern noch in den Knochen. Das ganze Dorf versank im Donauschlamm, nur die am höchsten Punkt gelegene Basilika blieb trocken. Manches Gästezimmer, so auch das meinige, konnte erst vor kurzem wieder seinem Bestimmungszweck zugeführt werden.


Iller, Lech, Isar, Inn flossen rechts zur Donau hin. Wörnitz, Altmühl, Naab und Regen kamen ihr von links entgegen... Da fehlt noch einer, nämlich die Ilz! Die mündet hier in Passau ins Nordufer der Donau, also von links - im obigen Bild von rechts. Der gegenüber am Südufer einmündete Inn ist im alten Schulreim schon drin - im hiesigen Panorama, wäre es breit genug, käme er von links herein. Diie Stadt, die oft als Dreiflüssestadt hofiert wird (obgleich das bereits für Regensburg zutrifft - und je nachdem, ab wann von einem Fluss die Rede ist, auch für andere Donaustädte) erreiche ich bei wolkenverhangenem Himmel. Zwar lugt die Sonne gelegentlich durch, mit ein paar mehr Fotos könnte ich aufwarten, aber nach Durchsicht der meinen, gestehe ich freimütig: Da gibt es genügend gelungenere Impressionen.



"In Passau fühlt der Reisende, dass das Fließen des Wassers Sehnsucht nach dem Meer bedeutet", schreibt Claudio Magris - und ergänzt noch etwas blumiger: "Verlangen nach der Glückseligkeit der offenen See." Schon in den folgenden Sätzen relativiert er seine Schwärmerei und fragt sich, ob er sich "derartige Empfindungen" nur einbilde, weil er sie ebenda, im Café San Marco, zu beschreiben versuche. Im nächsten Satz bringt er es auf den Punkt: "Wahrscheinlich erfindet und fingiert man jede Glückseligkeit nur auf dem Papier."

Nähert man sich Passau von Westen her, so ist alle Glückseligkeit dahin. Die Gleisanlagen und die stark befahrene Hochstraße verströmen den Charm einer hässlichen, grauen Vorstadt. Die geht allerdings nahtlos in die Altstadt über. Spätestens, wenn man vor dem alten Rathaus steht, stellt sich doch noch etwas Venezianisches ein, zum einen wegen der baulichen Zierden des Rathausturmes, zum anderen wegen der Hochwassermarken - der Rekordhöhe von 1501 folgt die des Juni 2013. Deutlich erkennbar: Die Nässe steckt noch im Gemäuer. Ich stelle mir diesen Stadtteil von der Donau durchflutet vor und schon tauchen die Kanäle der italienischen Lagunenstadt vor meinem inneren Auge auf. Und wo bei Hochwasser gleich drei Flüsse aufeinander treffen, ist deren "Sehnsucht nach dem Meer" noch größer...


In Passau endet Teil 1 des Donau-Radweges. Doch das Ende des ersten Teils ist nur der Anfang des zweiten...



Schlögener Schlinge in Oberösterreich. Hier wendet die Donau ihren Lauf um 180 Grad von Südost nach Nordwest, als wolle sie zurück nach Passau. In seiner ganzen Dimension ist dieser Mäander nur vom Berggipfel des südlichen Ufers sichtbar. Nach der Überfahrt frage ich eine kesse Jungerwachsene, die sich bereits bei der Überfahrt als Ortskundige zu erkennen gab, nach dem Weg zur besten Aussicht. Der Fährmann bespöttelt sie als "Reiseleiterin", das könne sie also auch! Was sie denn sonst noch könne, frage ich besser nicht. Ihre ausführliche Beschreibung - sie begleitet mich ein ganzes Stück - trifft exakt zu: viel zu steil mit dem Rad. Zumal: Es ist schon spät und am Himmel hängen scharze Regenwolken. Besser wieder hinunter zum Radweg und weiter bis zum Zeltplatz. Der ist an der nächsten Schlinge, die sich wieder nach Südöst wendet, und hört auf den Namen "Zum Heiligen Nicloaus". Da treffe ich ein Radlerpärchen, dem ich die letzten beiden Tage immer mal wieder bewegte. Ich bin eher kontaktscheu, aber sie setzen sich zu mir an den Tisch und erweisen sich als humorvolle, das heißt sarkastische Zeitgenossen - der Abend wird kurzweilig, aber um 10 schließt die Kneipe und alles verkriecht sich in den Zelten. 

Der schon abends erwartete Regen kam spät in der Nacht, am Morgen dampft das Tal. Den ganzen Tag begleitet mich das nasse Wetter. Mein knallrotes Regencape kann seine Existenzberechtigung endlich einmal nicht nur andeuten, sondern seinen Zweck unter Beweis stellen. Heute darf es stolz auf sich sein und seinen Besitzer dazu beglückwünschen, weder Kosten noch Packvarianten gespart zu haben.


Schwimmende Hotels von erstaunlicher Länge kurven scheinbar mühelos durch die Mäander. Der Kapitän hat noch Kapazitäten für ein Hupkonzert, sogar um Mitternacht gab es keine Gnade. Hatte einer der betagten Passagiere Geburtstag und glaubte, der Rest der Menschheit habe davon Kenntis zu nehmen? Wie nennt man das gleich noch, wenn unter den Fahrgästen eines Schiffes jemand beginnt, einem Passanten am Ufer zu winken und die meisten anderen machen es nach? Ach, ja, Schwarmintelligenz!

Beim Schifferkreuz zwischen Aschach und Neuhaus, so verkündet eine Infotafel, "verrichteten die vorbeifahrenden Schiffsleute ihr Gebet um sichere Fahrt. Eine Viertelmeile vom Hochgericht der Herrschaft entfernt rief es mahnend die rauen Gesellen zur Ordnung auf." Anno domini 1802 sei an dieser Stelle, lese ich, ein Schiffermeister aus den Donaufluten errettet worden. Als Dank dafür sah er sich verpflichtet, ein Denkmal zum Ruhme seines Gottes zu stiften. An dieser göttlichen Privilegierung suchten später auch andere gottesfürchtige Mitgläubige zu partizipieren. Anno domini 1926 befestigen Mitglieder der "Arbeiterschaft der Strombauleitung" und der "Schifferzunft" links und rechts des hoch am Fels angeschraubten Freiluftaltars je einen Seitenflügel mit ihren eigenen Insignen. Was sagt mir dies? Mögen Gottes Wege noch so unergründlich sein, die der Frommen sind gerade und glatt - und immer gut beschildert.


Linz. Die nach Wien und Graz drittgrößte Stadt Österreichs entstand vor fast 2000 Jahren aus dem römischen Kastell Lentja. Der vom Westen in die Stadt führende Radweg bleibt am Nordufer und wendet sich mit dem Fluss in großem, nach Süden verlaufenden Bogen um die Innenstadt herum. Ich will einerseits das Stadtzentrum erkunden und andererseits diagonal abkürzen, deshalb nehme ich die erste Brücke und finde mich in einer verkehrsberuhigten, aber an Fußgängern um so lebhafteren City wieder.




Am rechten Ufer verursacht der LKW-Verkehr enormen Lärm und Abgase. Der offensichtlich umstrittene "Westring" könnte den Verkehr in Linz einerseits entlasten, würde dann aber auch weitere Naturlandschaft an der Donau zerstören, wie das Transparent an der Hausfassade warnt. Das unter ökologischen Aspekten größte Problem der Stadt, zugleich ihr wichtigster Arbeitsplatz, ist aber das im Südosten angrenzende Industriegebiet. Die nach dem "Anschluss", in der NS-Kriegswirtschaftt gegründeten Stahlwerke und chemische Großbetriebe verpesten die Luft riechbar. Hier stinkt nicht nur die Geschichte (Tausende von Zwangsarbeiten schufteten hier) zum Himmel. Obgleich die Schadstoff-Emissionen (SO2, NO2, CO2, Feinstaub) seit Mitte der 1980er beachtlich gesenkt werden konnten, im Südosten, wo ich die Stadt verlasse, stinkt es noch immer unerträglich.


Zur düsteren Industrielandschaft bei Linz kommt der von Regenwolken verhange Horizont. Zügig versuche ich dem stinkenden Ballungsraum zu entkommen. Noch weit nach der Stadt dominiert die Ausbeutung der Natur: Förderbänder transportieren krachend den Kies zu den Verarbeitungsstätten. Der Preis dieser Industrialisierung ist hoch - zu hoch für mein Empfinden.

Albern mag ein komischer Name für ein Dorf sein, für albern halte ich aber auch die Aufregung, die in Österreich wegen deutscher Mautpläne aufkommt. Schließlich gibt es in der Alpenrepublik schon seit Ewigkeiten Straßengebühren, und eine im 10. Jahrhundert als Mautstelle gegründete Ortschaft ist sogar Namenspate heutiger Wegzölle. In diese am Nordufer liegende, nunmehr Mauthausen heißende Stadt bringt mich eine Radfähre - gegen die starke Strömung des Mäanders und des Hochwassers ankämpfend. Die einmündende Enns führt der Donau hier weitere Wassermengen zu.


Wo sich die Donau durch enge Täler zwängt, gehören hohe Pegelstände zur Normalität. Die Niederschläge der vergangenen Tage haben die bereits gut gefüllte Donau weiter ansteigen lassen, gelegentlich ist der Radweg vorsichtshalber gesperrt, manchmal bereits unter Wasser. Ein alter Mann hält mich an, um mir zu verraten, wo ich die Verbotsschilder ignorieren könne und wo ich sie ernst nehmen müsse.
Hilfsbereiten, meine Fragen schon von Weitem ahnenden Senioren begegne ich immer wieder.

Für den Hochwasserschutz in Oberösterreich wurde bereits Mitte der 1990er der sogenannte Machland-Damm geplant, infolge der Auswirkungen des Hochwassers vom August 2002 wurden die veranschlagten Dammhöhen jedoch deutlich erhöht. Nach der weitgehenden Fertigstellung im  Jahr 2012 wurde der mutmaßliche Pegelstand vom 14.8. 2002 - hier beim Dorf Labing - eingezeichnet. Der Marke zufolge hätte der Damm das Dorf im August 2002 vor einer Überflutung bewahren können. Kritiker des Großprojektes fragen allerdings, um wieviel höher der Stand unter den Bedingungen des zwangsläufigen Rückstaus tatsächlich wäre und um wieviel höher dadurch die Überflutungen auch in nachfolgenden Ortschaften wären. Im Juni 2013 setzten die Donaufluten bereits vor Linz, bei Feldkirchen, ganze Landstriche unter Wasser. Die dadurch unfreiwillig zum "Retentionsraum" gewordenen Orte dürften keinen geringen Einfluss auf die Entlastung im Machland gehabt haben, wo die Dämme zwar standhielten, aber dennoch Wasser über die mobilen Aufbauten schwappte.


Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass hier parallel zum Dammbau auch die Schaffung von Retentionsraum realisiert wird, eine für Mitteleuropa in dieser Größenordnung einzigartige Maßnahme, wodurch die Donau ingesamt 600 ha als Aulandschaft und somit als Überflutungsgebiet zurückerhält. Dafür werden 252 Häuser und Höfe "abgesiedelt", d.h. abgerissen, fünf Dörfer verschwinden von der Landkarte, möglich durch Einsicht und Entschädigung einstiger Bewohner. Wie der Infotafel zu entnehmen ist, geschieht das mit vergleichbarem finanziellen Aufwand (Dammbau: 144 Millionen Euro, Aussiedlung: 115 Millionen Euro), es dauert nur etwas länger: "Werter Radgast! Haben Sie bitte Verständnis für noch bestehende Abbruchhäuser und genießen Sie die rückgewonnene Naturlandschaft!" - Aber gerne.



Ybbs. In der am gleichnamigen Fluss gelegen kleinen Stadt gibt es ein Fahrradmuseum, nicht viel größer als ein Tante-Emma-Laden. Das sollte wohl ein Muss für jeden Radwanderer sein. Ich parke mein eigenes, oft bestauntes Zweirad direkt neben dem Eingang und begebe mich auf einen Rundgang durch die Geschichte des Fahrrades...


Da ich der einzige Besucher des Museums bin, führt mich die Kassiererin durch die zwei verwinkelten Räume. Neben der Erläuterung historischer Fakten demonstriert sie mir das Aufsitzen dieses Damenrades, ein Dreirad, und ist mir beim Erklimmen des Hochrades behilflich. Fürs Foto hält sie auch die passenden Hüte bereit. Schwieriger ist es übrigens, da wieder runterzukommen...

Das von Benediktinern bewohnte Stift Melk throhnt als Wahrzeichen auf einer Felsanhöhe vor der Stadt, seit 2000 ist die barocke Klosteranlage Bestandteil des Unesco-Kulturerbes Wachau.


Die Wachau, das von hohen Bergen gesäumte Donautal zwischen Melk und Krems, ist das beliebteste Ausflugsziel Niederösterreichs. In die Winzerstuben am Nordufer, das als Hauptroute des Donauradweges ausgewiesen ist, ergießen sich Bus- und Schiffsladungen betagter Fahrgäste. Am Südufer lässt es nicht nur ruhiger radeln, sondern - nach Tagen ihrer Abwesenheit - auch in der warmen Abendsonne. Während der Weinbau an den Südhängen des Nordufers günstige klimatische Bedingungen vorfindet, klann das am südlichen Ufer gelegene Mostviertel eine lange Tradion im Obstanbau aufweisen.



Der Wein am anderen Ufer mag genüsslich munden, doch den Durst des Radlers könnte er nicht löschen. Da kommt die "Radlertränke" am hiesigen Ufer wie gerufen, gewöhnliches Leitungswasser, dafür so viel du willst und kostenlos.


"Diese Linde wurde anlässlich des 60-jährigen Regierungsjubiläums Kaiser Franz Josef I. am 2. 12. 1908 gepflanzt", lässt das ovale Schild den Wanderer wissen, der auf der Bank in ihrem Schatten rasten mag.

Marillen, so heißen hier die Aprikosen, und die gibt es in den verschiedensten Sorten - von der schon im Juni reifen "Ungarischen Gelben" bis zur erst Anfang August reifenden "Kremser Rosenmarille", die ich hier beim Bauern kaufe, nachdem mich dessen alter Schäferhund als Kundschaft identifizieren konnte. Auch Saft und Schnapps wird aus den Früchten gemacht, im westlichen Mostviertel überwiegend aus Birnen.


Kartause Aggsbach. Nur weil ich die Unterkünfte an der Uferstraße meiden will, unternehme ich am Abend einen Abstecher ins Hinterland. Von meinem Zimmer in der Pension Lechner fällt der Blick auf das im 14. Jahrhundert gegründete Kartäuserkloster.


Am Morgen sehe ich mir die alten Gemäuer etwas genauer an. Neben den einst vor weltlicher Geschäftigkeit abschirmenden Mauern sind in späteren Jahrhunderten etliche An- und Umbauten entstanden. Durch Kaiser Karl Josef II. wurde das Anwesen Ende des 18. Jahrhunderts zum Schloss umfunktioniert.

Trotz der heutigen Nutzung als Museum und Veranstaltungsort strahlen die verwinkelten Gebäude noch etwas von der ursprünglichen Eigenschaft als religiöses Refugium aus. In dieser frühen Morgenstunde lässt sich die einstige Abgeschiedenheit noch erspüren.


In der Donauschlinge zwischen Weißenkirchen und Dürnstein können sich die Obstplantagen ausbreiten, hinter Weinreben und Apfelbäumen ragt der Turm der Dürnsteier Stiftskirche empor. Mit seiner ungewöhnlichen blauen Färbung fesselt er meine Augen eine Weile, bevor sie hinauf zur Ruine einer Burg aus dem 12. Jahrhundert schweifen.


Zahlreiche Staustufen wühlen in Österreich die Donau auf, die Wasserkraftwerke queren den Fluss und verunstalten große Abschnitte des Flusses. Gegen die Risiken der Erzeugung von Kernenergie und Atommüll-Endlagerung mag der Kompromiss vertretbar sein. Doch ich frage mich immer wieder, ob es so viel Strom überhaupt braucht? Die meiste Energie wird ja doch für die Produktion entbehrlicher Maschinen und Waren verschwendet...


Manchmal entscheiden tatsächlich wenige Kreuzchen über wichtige Entscheidungen.
Direkt am Donau-Radweg liegt auch das 1977 fertiggestellte Kernkraftwerk Zwentendorf. Österreichs damaliger Bundeskanzler Bruno Kreisky hatte mit einer breiten Zustimmung in der Bevölkerung gerechnet und ließ 1978 eine Volksabstimmung über die Inbetriebnahme abhalten. Für den seines Erachtens unwahrscheinlichen Fall einer Gegenmehrheit kündigte der Befürworter siegessicher seinen Rücktritt an...

Und siehe da! Der sehr knappe Ausgang (50.47 % Gegenstimmen) verhinderte die Inbetriebnahme des Kernkraftwerkes - für Kreisky kein Grund, den lauthals angekündigten Rücktritt auch einzulösen... Damit war in Österreich allerdings der Atomausstieg quasi noch vor dem realen Atomeinstieg eingeleitet worden, seit 1999 ist der Verzicht auf Kernenergie auch in der Bundes-Verfassung festgeschrieben. Die größte Investruine Österreichs dient dem Personal baugleicher AKW in Deutschland heute immerhin noch für Trockenübungen. Das mag zwar nicht den einst erhofften Gewinn einbringen, erfordert aber wenigstens auch keine zusätzlichen Castoren...


Wien. Anlässlich eines Symposiums während meiner Studierjahre (vor 20 Jahren) besuchte ich die Stadt erstmals. Und nun staune ich, was seither am linken Donauufer aus Beton und Stahl in den Himmel gewachsen ist. Das passt so gar nicht ins Postkarten-Wien meiner Erinnerungen. Noch weit vor dem Stadtzentrum, unter einer Brücke auf der Donauinsel, sitzt ein junger Mann mit seiner Gitarre, dem ich gern zugehört hätte. Doch mein vollgepacktes Rad samt meiner daran befestigten Ukulele wecken sein Interesse ebenso. Also spricht er mich auf meine Reise an - und zögert nicht, mir seine Westerngitarre in die Hand zu drücken. Ich zupfe Town van Zandts "Blaze Blues", versuche auch zu singen - das erste Mal seit zwei Wochen. Dann bringt er mich unweit von hier in der Wohnung eines Freundes unter. So bleibt mir die Quartiersuche erspart - und ich habe den ganzen Nachmittag fürs schöne alte Wien.


Auch in der Wiener Altstadt ist die Zeit nicht stehen geblieben. In den Glasfassaden moderner Gebäude spiegeln sich die sogenannten Heidentürme des Stephansdoms, der wegen seiner - die Epochen übergreifenden - Anbauten selbst ein Konglomerat verschiedenster Baustile wurde.


Wer ohne Zwang nach Wien kommt, dem dürfte die Tatsache, dass die Stadt unter anderem den Sitz der OPEC, der OSZE und der Internationalen Atomenergie Organisation (IAEO) inne hat, etwa so gleichgültig sein wie die tägliche Quälerei, denen die Pferde der Fiaker ausgetzt sind. Schaut man einmal in die Augen dieser geschundenen Tiere (statt in die des eitlen Weibervolkes), so weiß man: Glückliche Pferde sehen anders aus.
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Glückliche Frauen sehen womöglich auch anders aus... Schon im 16. Jahrhundert empfand ein Dichter Wien als das Babel Europas. Mindestens 17 Sprachen, darunter Hebräisch, "Teutsch" und Syrisch, hat der Dichter aufgezählt, den Claudio Magris für einen Übertreiber hält, indem er das kürzeste (aus nur zwei Sätzen bestehende) Kapitel seiner Donau-Biographie mit der Überschrift "Die Lügen der Dichter" betitelt. Tatsächlich beheimatet die einstige Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches auch heute noch ein buntes Völkergemisch und somit kulturelle Traditionen, die verschiedener nicht sein könnten. Doch eines verbindet gelegentlich alle. Was? Nun, der universelle Gebrauch des Regenschirms.


 

Sie hat gut lachen... Denn sie hat, was andere auch gern hätten: die Schirmherrschaft über einen vor himmlischen Güssen schützenden Regenschirm. Das zaghaft einsetzende Gewitterchen verwandelt das Straßenleben flink in eine bunte Regenschirmparade. Zwar wäre ich mit Regencape und Schirm selbst gut gewappnet gewesen, um so besser aber ist, dass ich bereits unter einem großem Schirm sitze, wo ich den Regen einfach nur aussitzen muss.



An der Kreuzung Jungfernsee/Graben genehmige ich mir derweil eine kühle blonde Zielprämie - natürlich alkoholfrei! Denn im Gegensatz zu Tausenden anderer Wien-Besucher bin ich mit meinem Zweibeinmotor
ja ein echter Kraftfahrer - also jemand, der zum Fahren noch eigene Kraft nutzt! Und um - wie Kurt, ohne Helm und ohne Gurt - jederzeit wieder sicher in den Sattel steigen zu können, ist mir die drogenfreie Erfrischung ebenso wichtig. Mein "Bondstreet Cruiser" ist für manche Passanten ein Hingucker, besonders Männer haben da so ihre Fragen an mich. Meine Gegenfrage an einen Mann aus Chicago bezieht sich auf den Stand des Radwege-Ausbaus in den USA. Der nehme "progressiv" zu, erfahre ich. Na dann, also nächstes Jahr einmal übern großen Teich und dann from coast to coast?


Auf dem Wiener Kohlmarkt, gibt es zwar keinen Kohl, aber man braucht gewiss einige Kohle, um etwa bei Jorgio Armani (links unter der Uhr) oder in den anderen noblen Boutiquen der City einkaufen zu können. Zum Nachteil Wiens lasse ich selbst nur die vier Euro für mein Getränk in der Stadt. Als Radler muss ich mich in Sachen Gepäck ohnehin aufs Nötigste beschränken. Mögen die beiden Blondinen meinen Geiz durch großzügigere Ausgaben zum Wohle Wiens kompensieren...

Was weder der oberster Feldherr und Großwesir des Osmanischen Reiches noch die Straßenfotografierer von Google Maps (derzeitiger Großwesir des Internet) geschafft haben, war für den Fahrer eines Gebrauchtwagens aus Kuweit ein Klacks: in die Fußgängerzonen der Wiener Innenstadt vordringen.


Am frühen Abend verlasse ich die City, radle den Donaukanal entlang, am imposanten Hundertwasser-Komplex vorbei - und treffe mich mit Io, dem Straßenmusiker. Gemeinsam radeln wir dann auf die Donauinsel zum Freiluft-Konzert des bayrischen Barden Hans Söllner. Von einem Hügel neben dem umzäunten Konzert-Areal lässt sich die Bühne kostenfrei einsehen. Doch die Band verrührt jedes von Söllners frechen Liedern in den selben Raggae-Brei, das macht die Verständlichkeit der Texte auch nicht besser... Die eigentliche Attraktion des Abends sind ohnehin die Blitze, die den nächtlichen Wiener Himmel in ein magisches Lichterspiel verwandeln. Wunderbar zieht das Gewitter um die Stadt herum und verschont uns von seinen Niederschlägen.

Nach dem Konzert, dessen Ende wir nicht abwarten, zieht Io noch einmal mit seiner Gitarre los. Er habe eine gute Stelle entdeckt, die später alle Konzertbesucher passieren müssten - dort gebe es keine Überwachungskameras und keine Polizei. Wie er mir später erzählt, hat es sich gelohnt. Gern hätte ich nach meiner Heimreise auch erfahren, ob er die Radwanderung, zu der ihn mein schwerbepacktes Rad inspiriert habe, tatsächlich angetreten hat. Bisher hat er sich nicht gemeldet. Vielleicht braucht er seine Zeit, so wie ich die meine brauchte, heimzukommen und meine Erinnerungen aufzuschreiben. Alles ist flüchtig, nichts ist wichtig, kein Tropfen Wasser fließt zweimal im gleichen Fluss.

ON THE R(O)AD
Unterwegs mit der Ukulele